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Definition von Freiheit
Imam Ali (a.s.) sagte:
"Die Welt ist ein Durchgang, kein Aufenthaltsort!"
Und er (a.s.) sagte:
"Es gibt zwei Gruppen von Menschen in der Welt. Die
einen kommen, verkaufen und versklaven sich selbst und gehen, die anderen
kommen, erwerben ihre Freiheit und gehen."
Freiheit bedeutet nach westlichem Verständnis Selbstbestimmung, Unabhängigkeit,
Eigenständigkeit, Ungezwungenheit aber auch Zwanglosigkeit, Enthemmung,
Ungebundenheit. Freiheit soll jedem die Möglichkeit geben, durch seinen freien
Willen selbst über sein Geschick zu bestimmen ohne äußeren Zwang oder
Einschränkungen.
Es wird unterschieden zwischen persönlicher Freiheit, Meinungsfreiheit,
Pressefreiheit, Wahlfreiheit oder Handlungsfreiheit.
Im Islam hingegen bedeutet Freiheit die Abwesenheit, das Nicht-Vorhandensein von
jeglichen Hindernissen, die uns auf dem Weg zur Vervollkommnung und dem
spirituellen Wachstum aufhalten könnten.
Wie frei sind die Menschen eigentlich?
Sie denken nur, sie sind frei, doch sie werden durch aggressive Werbung, durch
"Trendsetter", durch vielfache mediale Beeinflussung so manipuliert, dass sie
gar nicht merken, wie unfrei sie in Wirklichkeit sind. Die Diktate der Oberen
bestimmen das Leben der kleinen Menschen. Sei es durch die Mode, durch Politik
oder die Industrie, sogar im Sport werden die Menschen in eine Richtung
geschoben. Heben sie sich von der Masse ab, haben sie eine andere Meinung,
werden sie geächtet, verlacht, missachtet oder gemobbt.
Die Menschen folgen heutzutage nicht mehr ihrer Vernunft, sondern nur noch ihren
Trieben und der breiten Masse. Doch wenn die Menschen nicht mehr auf ihre eigene
Vernunft und ihren eigenen Verstand hören, dann sind sie wie Schafe, die
glauben, die große Wiese ist die Freiheit. Die der Herde folgen und von großen
Hunden in Schach gehalten werden, so dass sie bloß nicht ausbrechen und somit
niemals die wahre Freiheit finden können.
Viele folgen ihrer Gier nach Reichtum, denn mit viel Geld, so denken sie, sind
sie frei. Auch das wird so von der großen Herde vorgegeben. Nur mit Geld stellst
du etwas dar, nur mit Geld hast du Macht, eine Persönlichkeit, Freunde und
Achtung.
Jedoch in Wirklichkeit sind sie nur Sklaven der Habgier, der Lust und Begierden
sowie der Vorgaben von anderen Menschen.
Der heilige Quran sagt:
"Hast du den gesehen, der sich seine eigenen Gelüste
zum Gott nimmt…" [45:23]
Erst wenn man sich von den Fesseln der eigenen Gelüste befreit, wird man
wirklich frei. Die spirituelle Freiheit wird erst erlangt, wenn man sich von den
irdischen Wünschen und Begierden freigemacht hat.
Dazu kommt noch, wie sehr man die Freiheit eines anderen beschneidet, wenn
man sich selbst jedwede Freiheit nimmt und all seine egoistischen Gelüste
auslebt.
Der deutsche Philosoph Immanuel Kant sagte: "Niemand kann mich zwingen, auf
seine Art glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem
Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit Anderer,
einem gleichem Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach
einem möglichen allgemeinen Gesetze bestehen kann, nicht Abbruch tut."
Nach Kant ist nur der ein moralisch gut verhaltende Mensch, der sich nicht
seinen Trieben hingibt, wirklich frei und würdig. Der Mensch darf seine Vernunft
nicht verleugnen.
Liberale behaupten, die Religionsfreiheit muss begrenzt werden, da religiöse
Symbole die Freiheit des anderen einschränken. Aber wie sieht es mit Kleidung,
oder besser gesagt, mit nicht-vorhandener Kleidung, mit dem Zur-Schau-Stellen
von Nacktheit, mit der so genannten Meinungsfreiheit oder Pressefreiheit aus?
Wie frei ist derjenige, der durch die Pressefreiheit bedrängt wird? Wie frei ist
derjenige, der beleidigt wird oder dem übel nachgeredet und über den
Unwahrheiten verbreitet werden? Der bis in sein Privatleben verfolgt wird?
Wie frei ist die Lehrerin, die ihren Beruf nicht ausüben darf, weil sie ihr
Recht auf Religionsfreiheit und freie Kleiderwahl in Anspruch nimmt?
Wie frei sind die Menschen, die sich tagtäglich Unmoral, Nacktheit und
Sittenlosigkeit gegenübersehen? Auch sie werden eingeschränkt in ihrer Freiheit.
Und wie frei sind die, die von anderen nur nach ihrem Äußeren wie ein Stück Vieh
oder nach ihrem materiellen Reichtum beurteilt werden, ohne dass man den wahren
Menschen in seinem wahren Wesen sieht?
Kann ein Mensch, der selbst Sklave seiner Begierden, Gier und Neid, Habsucht und
Zorn ist, einem anderen Freiheit gewähren? Kann ein Land, das selbst Sklave
seines Egoismus, seiner Habgier und Hochmutes ist, anderen die Freiheit
schenken?
Derjenige, der sich moralisch verhält, der Rücksicht gegenüber seinen
Mitmenschen aufrecht erhält, der sich nicht seinen niederen Trieben und
egoistischen Wünschen und Interessen hingibt, sondern statt dessen mit Ehre,
Menschlichkeit und Verstand die Gemeinschaft und das Bewusstsein der Mitmenschen
schützt, nur der ist wirklich frei.
Erst wenn man sich freimacht von der sozialen Abhängigkeit, von weltlichen
Reichtümern und Besitztümern, kann man auch spirituell frei sein, frei von
Habsucht und Gier und Egoismus. Und erst dann ist man in der Lage, auch anderen
Menschen diese Freiheit zu gewähren.
Imam Ali (a.s.) sagte:
"Unser erhabene Gott hat den Engeln Verstand gegeben,
aber keine Triebhaftigkeit.
Den Tieren gab er Triebhaftigkeit aber keinen Verstand.
Uns Menschen gab Allah (s.w.t.) beides, damit wir uns vervollkommnen können,
um uns IHM anzunähern.
Also sagte Imam Ali (a.s.) weiterhin:
"Wenn du also deinen Verstand über deine Triebe siegen
lässt, bist du besser als ein Engel.
Lässt du aber deine Triebe über deinen Verstand siegen bist du niedriger als ein
Tier."
Und er (a.s.) sagte:
"Wer nicht Herr seiner Triebe ist, kann nicht Herr
seines Verstandes sein."
Imam Baqir (a.s.) sagte:
"Was für ein schlechtes Geschöpf ist derjenige, der
sich von seiner Habgier leiten läßt! Und was für ein schlechtes Geschöpf ist
derjenige, dessen Begehren ihm Schande einbringt."
Und Imam Ali (a.s.) sagte:
"Sei nicht Sklave eines
anderen Geschöpfes. Gott hat dich frei erschaffen."
"Und seid nicht gleich jenen, die Allah vergaßen, und
die Er darum ihre eigenen Seelen vergessen ließ…!" [59:19]
C. Feole
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