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Die Weisheit des religiösen Weges und die Einheit der wahren Religion

 

Im Namen Allahs, des Erbarmungsvollen, des Barmherzigen

Das Hauptziel der Erschaffung des Menschen besteht darin, ihn auf der Basis freiwilligen Handelns auf den Weg zu stetiger Vervollkommnung zu führen, damit er schließlich die endgültige Vollkommenheit erreicht. Daraus folgt, dass Allah die Schöpfung nicht sinnlos erschaffen hat.

Mit anderen Worten: Möchte der Mensch die Gnade Allahs verdienen, muss er Ihm gehorchen und Ihn anbeten. Diese Gnade Allahs, die wirklich eine barmherzige Gnade ist, wird insbesondere dem Mensch zuteil und von ihr profitieren am meisten diejenigen Menschen, die diesen Weg der Vervollkommnung beschritten haben. Der weise Wille Allahs befasst sich unmittelbar und wesentlich mit dem Menschen, seinem Glück und seiner Vollkommenheit. Da letztere nur durch freiwillige Taten zu erlangen sind, stellte Allah die Entwicklung der Menschen an einen Scheideweg: Allah gewährleistet die Auswahlmöglichkeit, doch einer dieser Wege führt zu Mühsal und Leiden.

Bevor wir uns mit den Einzelheiten dieser beiden Wege befassen, werfen wir einen Blick auf die menschliche Gesellschaft:

Der Mensch braucht von Natur aus die Gesellschaft. Er meidet das Leben in Abgeschiedenheit und bevorzugt die Gemeinschaft, doch er neigt dazu, mit allen verfügbaren Mitteln seine instinktiven Bedürfnisse und Triebe zu befriedigen, koste ihn dieser Eigennutz was er wolle. Dadurch artet das gemeinschaftliche Leben in Konflikt und Rivalität unter den einzelnen Individuen aus, was zur geistigen Verarmung und zum Niedergang der Gesellschaft führt. Daher entstand das Bedürfnis für eine Gesetzgebung, welche in jedem Bereich des gemeinschaftlichen Lebens Ordnung zu schaffen vermag.

Hier stellt sich die Frage: Wer kann hierbei als Gesetzgeber fungieren? Anders ausgedrückt: Welche Individuen verfügen über einen nahezu vollkommenen Charakter und eine Ethik, um solche Gesetze zu erlassen?

Wir wissen, dass die Gesetzgebung und die Begründung einer Ordnung schon hinsichtlich eines kleinen Problems eine sehr schwierige Angelegenheit ist. Sogar erfahrene und belesene Soziologen mögen in den trivialsten Dingen daran scheitern. Dies ist in jenen Gesellschaften am deutlichsten zu sehen, in denen das Individuum der Gesetzgeber ist.

Will man eine gerechte Gesellschaft aufbauen, so muss dieser Vorgang besondere Voraussetzungen erfüllen, von denen hier drei genannt seien:

Erstens: Der Gesetzgeber muss über den Menschen hinsichtlich seines Ursprungs, seines Geistes, seiner organischen Bedürfnisse und Instinkte, und auch darüber, wie mit diesen Merkmalen nützlich umzugehen ist, alles wissen. Je genauer und integrierter das Wissen über diese menschlichen Merkmale ist, umso effektiver sind die Gesetze und eine Rechtsordnung, welche die Menschheit schließlich zum Glück führen.

Zweitens: Der Gesetzgeber muss fern seines Eigennutzes d.h. ohne Beeinflussung seiner Triebe handeln, damit die erlassenen Gesetze der Allgemeinheit dienen. Folgt hingegen der Gesetzgeber seinem Egoismus und seinen Trieben, so werden die Gesetze keinen gemeinnützigen sondern eben einen eigennützigen Sinn haben.

Drittens: Da alle Handlungen des Menschen seinem Glauben und seinem Denken entspringen (-der Gläubige beispielsweise versucht durch sein Handeln, das Wohlgefallen seines Herrn zu gewinnen-) und da der Mensch natürlich selbst unvollkommen ist, so sind auch die von ihm geschaffenen Ordnungen und Gesetze im gemeinschaftlichen Leben, ganz gleich welchen Integritätsgrad diese Rechtsordnungen erreicht haben mögen, unzulänglich. Es sei denn, jene Gesetze entstammten im Kern einem vollkommenen, absoluten und unbegrenzten Ursprung.

Es stellt sich die Frage: Wo finden diese Voraussetzungen Erfüllung und wer kann ihnen genügen? Sind es die Menschen?

Wir wissen doch, dass die gewöhnlichen und außergewöhnlichen menschlichen Erkenntnisse und Erfahrungen solche Prämissen niemals erfüllen können. Denken wir darüber nach, so können wir feststellen, dass nur Allah diese Voraussetzungen zu befriedigen vermag.

In der ganzen Existenz werden wir kein Wesen finden, das den Menschen besser in- und auswendig kennt, als sein Schöpfer. Denn der Schöpfer muss ja jedes Detail seines Geschöpfes am besten kennen und dies genügt für die erste Voraussetzung.

Ebenfalls werden wir kein Wesen ausfindig machen, das völlig unabhängig von persönlichen Interessen, Trieben und Bedürftigkeit handelt, außer Allah- dies erfüllt die zweite Voraussetzung.

Des Weiteren gibt es kein Wesen, das nicht für seine eigene Überzeugung, sein Denken und seine Sitten eintreten würde, die wiederum seinen eigenen Interessen unterliegen, außer Allah. Denn Allah macht das Wohl der Menschheit von Gehorsam gegenüber Ihm abhängig. Widerspenstigkeit und Ungehorsam führen zu Mühsal.

Der einzige und richtige Weg zur perfekten Rechtsordnung in der Gesellschaft ist der Weg der von Allah stammenden unbeirrbaren Offenbarung, welchen Er seinen unfehlbaren Propheten vorbestimmt hat. Allah sandte die Propheten zu den menschlichen Gemeinschaften, um ihnen die Wege zu zeigen, welche die Menschheit zur Integrität und zum Wohl führen.

So sagt Allah im Koran:

"Bestimmt haben Wir schon Unsere Gesandten mit den klaren Beweisen gesandt, und Wir haben zusammen mit ihnen die Schrift herabgesandt und die Waage, damit die Menschen auf der Richtigkeit bestehen..." (Sure Al Hadid, Vers 25)

Vers 129 der Sure Al- Baqara lautet:

"Unser Herr, und schicke unter sie einen Gesandten von ihnen, der ihnen Deine Zeichen verliest und sie die Schrift lehrt und die Weisheit und sie rein macht,..."


Über die Aufgabe des Gesandten heißt es:

"Diejenigen, die dem Gesandten folgen, dem unbelesenen Propheten, den sie beschrieben finden, bei sich in der Taura und im Indschil, - er trägt ihnen das Rechte auf und untersagt ihnen das Verwerfliche, und er gestattet ihnen die guten Dinge, und er verwehrt ihnen die üblen Dinge, und er nimmt von ihnen ihre Bürde und die Halsfesseln, die auf ihnen sind, -und diejenigen, die an ihn glauben und zu ihm halten und ihm helfen und dem Licht folgen, das mit ihm herabgesandt wurde, diese, ihnen ergeht es wohl."
(Sure Al- Araf, Vers 157)

Aus den zitierten Versen wird die Zielsetzung der göttlichen Botschaften deutlich:

- Die Einzigkeit Allahs (Tauhid): Dies ist eine der Hauptsäulen aller göttlichen Botschaften.

- Die Errichtung der Gerechtigkeit in allen menschlichen Gesellschaften.

- Der Hinweis auf die Zeichen Allahs.

- Die Erziehung der Menschheit und das Einladen zu tugendhaftem Charakter, letzteres ist eines der Hauptziele der Gesandten.

- Die Erlösung der Menschheit von Unrecht und Sklaverei und der Aufruf zum Aufstand gegen die Unterdrückung durch Tyrannen und Machtbesessene.

- Die Förderung und Erziehung der natürlichen Veranlagung des Menschen.

- Das Inkraftsetzen der göttlichen Vorschriften und Gesetzgebungen.

- Das Lehren der Schrift, welche Tatsachen über die existente Welt und die Menschheit beinhaltet.

- Das Lehren der Weisheit: Dies umfasst alle im Koran erwähnten Tatsachen und Erkenntnisse, welche der Mensch auf seinem Weg zur Vollkommenheit braucht: Das Fördern des Guten und das Verwehren des Übels, die Entlastung der menschlichen Seele, Verbreitung des Lichtes im Leben.

Dies sind immer Anliegen der Menschheit gewesen, zu denen alle Gesandten aufforderten und alles opferten, um dies zu erreichen.

Dieser allmächtige Herr und Gott schickte zu seinen Geschöpfen den letzten und das Siegel aller Gesandten, Prophet Muhammed (Friede sei mit ihm und seiner Familie). Wie mag dieser Gesandte beschaffen sein und welchen vornehmen moralischen Charakter weist er auf, um das Siegel der Gesandten und Verkünder der überdauernden Vollendung der Botschaften Gottes und Seiner Gnaden zu sein?

Gott schickte den letzten Gesandten in eine Gesellschaft, die von tiefgreifender Unwissenheit geprägt war und daran gehindert wurde, ihren wahren Verpflichtungen im Leben nachzukommen. Er schickte unter die Unbelesenen einen Gesandten aus ihren Reihen, dessen wichtigste Ziele waren: Das Rezitieren der göttlichen Verse des Korans, die Förderung der (seelischen) Reinheit und die Belehrung der Menschen über die Schrift und die Weisheit.

Dies spiegelt sich in den Aufrufen aller himmlisch-göttlichen Botschaften und aller Propheten und Gesandten Allahs wieder. So enthält das Gebet des „Vaters der Propheten“ Ibrahim (Abraham) die folgenden Worte:

"Unser Herr, und mache uns Dir friedenmachend Ergebene (Muslime), und von unserer Nachkommenschaft eine Dir friedenmachend Ergebene (Muslime) Gemeinschaft, und zeige uns unsere Opferbräuche, und wende Dich vergebend zu uns, Du – Du bist ja der Vergebende, der Barmherzige. Unser Herr, und schicke unter sie einen Gesandten von ihnen, der ihnen Deine Zeichen verliest und sie die Schrift lehrt und die Weisheit und sie rein macht, Du – Du bist ja der Mächtige, der Weise."
(Sure Al- Baqara, Verse 128-129)

Hierbei ist zu beachten, dass die Übersetzung des arabischen Wortes "muslimun" (Muslime) "Ergebene" lautet. Unserer Prophet Muhammed, der Bote der Barmherzigkeit, verkündete den Menschen die Religion des Islam, mit allem, was das Wort Islam (der Friedenmachende) hinsichtlich Nachsicht und Gnade beinhaltet, nachdem alle Propheten und Gesandten die Botschaft von "Allahs Liebling" und dessen Siegel Prophet Mohammed angebahnt hatten.

Somit gibt der Koran zu verstehen, dass der Begriff "Islam" eine umfassende Bezeichnung

a l l e r himmlischen Gesetzgebungen ist:

So sagt Nuh (Noah):

"Und wenn ihr euch abkehrt, so habe ich euch nicht um Lohn gebeten, meine Belohnung obliegt nur Allah, und mir ist aufgetragen, dass ich einer von den friedenmachend Ergebenen bin." (Sure Yunus, Vers 72)

Desgleichen sagt Allah über Ibrahim (Abraham):

"Ibrahim war nicht Jude und nicht Christ, sondern er war Rechtgläubiger, friedenmachend Ergebener, und er war keiner von den Mitgöttergebenden."
(Sure Al-Imran,Vers 67)

Ein weiterer Beleg findet sich in Sure Al-Baqara, Vers 132:

"Und Ibrahim hat seine Söhne angewiesen und Jaqub: "Meine Söhne, Allah hat für euch eine Religion auserwählt, also sterbt nicht, außer dass ihr friedenmachend Ergebene seid.""


Ebenso heisst es über das Volk von Lut (Lot):

"Und Wir haben herausgebracht, wer dort von den Gläubigen war, und Wir haben in ihr nichts gefunden als nur ein Haus von den friedenmachend Ergebenen."
(Sure Al-Dhariyat, Verse 35-36)

Über Musa (Moses) berichtet Allah: "Und Musa sagte: "Mein Volk, wenn ihr an Allah glaubt, so vertraut auf Ihn, wenn ihr friedenmachend Ergebene seid."" (Sure Yunus, Vers 84)

Bezüglich der Jünger von Isa (Jesus) offenbart Allah on Sure Al-Maida, Vers 111:

"Und als Ich den Jüngern eingegeben habe: Glaubt an Mich und an Meinen Gesandten, -haben sie gesagt: "Wir glauben, und bezeuge Du, dass wir friedenmachend Ergebene sind.""


Darüber hinaus finden sich noch viele weitere Verse im Koran, welche auf die Gesandten und Propheten hinweisen, dazu kommen die Überlieferungen aus islamischen Quellen, welche die Bezeichnung "Islam" für einzelne und für die gesamten himmlischen Gesetzgebungen bezeugen.

Ibn Saad berichtet in seiner Sprüche-Sammlung Tabakat unter Berufung auf Ibn Abbas, dass Prophet Mohammad, nachdem er die Geschichte Nuhs und dessen Verlassen der Arche erzählt hatte, gesagt haben soll:

"Und all die Ahnen zwischen Adam und Nuh bekannten sich zum Islam."

Eine andere Überlieferung lautet:

"Es waren zwischen Adam und Nuh zehn Jahrhunderte und alle bekannten sich zum Islam."


Aus den zuvor erwähnten edlen Versen des Koran und aus den Erzählungen und Aussprüchen des Propheten wird der Sinn des Verses 19 der Sure Al-Imran deutlich:

"Die Religion bei Allah ist ja der Islam."

Von Mahmood Khalilzadeh
Zürich 14.10.2001

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