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Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen

Vorwort

Nach der Lehre des Islam gilt der Mensch als ein verantwortliches Geschöpf. Er verfügt lieber einen freien Willen und somit über die Möglichkeit, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Daher ist er gegenüber allen seinen Handlungen verantwortlich.

Der Islam begrenzt diese Verantwortlichkeit jedoch nicht wie manche andere religiösen Lehren auf einen individuellen Glauben. Vielmehr ist der Muslim gegenüber sich selbst, aber ebenso gegenüber seinen Mitmenschen und seiner Gemeinschaft verantwortlich: wie um seine eigene geistige Vervollkommnung hat sich der Gläubige im Islam auch um die Fortentwicklung und das Wohl seiner Gemeinschaft zu sorgen.

Diese allseitige Verantwortlichkeit gilt als eine muslimische Pflicht, die in dem grundlegenden quranischen Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren zum Ausdruck kommt. Das vorliegende Büchlein beinhaltet eine Reihe von Freitagsansprachen, die über mehrere Wochen hinweg zu diesem Thema gehalten wurden. Es ist ein in dieser Ausführlichkeit erstmaliger Versuch, die verschiedenen Dimensionen dieses wichtigen islamischen Prinzips, seine Voraussetzungen, Grenzen, usw. dem deutschsprachigen Publikum vorzustellen.

An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, dass sich wie in jeder Religion auch im Islam die Beziehung des Gläubigen zu Gott am eindeutigsten im Gebet widerspiegelt. Insbesondere das allwöchentliche gemeinsame Freitagsgebet ist Ausdruck der Grobe islamischer Frömmigkeit und muslimischer Einheit. Fester Bestandteil eines jeden Freitagsgebetes sind zwei Predigten, die verschiedene religiöse Themen, aber auch die Darlegung wichtiger gesellschaftlicher und politischer Fragen umfasst? . Neben der geistigen Stärkung beabsichtigt die Freitagsansprache auch die Aufklärung und Bewusstmachung der l\/Muslime. Die für ihre Gemeinschaft verantwortlichen Muslime sollen aus dieser Predigt neue Impulse erhalten, um ihre Probleme gemeinsam mit Hilfe Gottes losen zu können.

Anhand der theologischen Erörterung des islamischen Prinzips Gutes gebieten und Schlechtes verwehren wurde versucht, einen Einblick in die ganzheitliche islamische Denkweise zu geben, die beispielsweise keine Trennung von Religion und Politik zulallt und sich gerade in der Freitagsansprache zeigt.

Wir hoffen, dass} die Lektüre des Büchleins allen muslimischen Geschwistern und interessierten Freunden von Nutzen sein wird.

An dieser Stelle sei all jenen gedankt, di! zur Veröffentlichung dieses Büchleins beigetragen haben. Möge die höchste Norm des Seienden, die schöpferische Weisheit, Gott, Allah, allen aufrichtigen Gläubigen, die Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen empfinden und nach Seiner Zufriedenheit streben, Erfolg in dieser und jener Welt gewahren.

Mohammad Moghaddam
Imam des lslamischen Zentrums Hamburg
Januar 1984, Rabi'II 1404

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Permanente Gefahr der Verfälschung

Bevor wir naher auf die verschiedenen Aspekte des Prinzips Gutes gebieten und Schlechtes verwehren (arabisch "Al-amr bil—ma‘ruf wan-nahi an el—munkar") eingehen, wollen wir einen wichtigen damit in Verbindung stehenden Gesichtspunkt erläutern:

Die Lehre des Islam zielt auf die dynamische Entwicklung und auf die Vervollkommnung des Individuums und der Gesellschaft ab. In seiner ursprünglichen Form wäre der Islam durchaus die Alternative zu den heute herrschenden Gesellschafts- und Denksystemen. In die Praxis umgesetzt würden die islamischen Werte einer auf Glauben und Gerechtigkeit basierenden Weltordnung zum Durchbruch verhelfen.

Der Islam befindet sich heute in einer Phase des Aufbruchs und der Erneuerung. Doch gerade in dieser dynamischen Version des Islam sehen die weltbeherrschenden Mächte eine große Gefahr. Deshalb versuchen sie mit allen erdenklichen Mitteln dem Aufbruch des Islam entgegenzuwirken.

Eines ihrer subtilsten und leider auch erfolgreichsten Mittel bestand und besteht darin, die eigentliche Lehre des Islam zu verfälschen. Mit der islamischen Revolution setzte gleichzeitig eine noch massivere Verleumdungskampagne ein: die Muslime sollten sich zwar mit den Riten ihrer Religion beschäftigen, die darin begründeten, eigentlichen Aussagen jedoch vergessen.

Die Gegner des Islam - haben sie sich nun das Mantelchen des Islam übergestreift oder nicht — setzten erfolgreich darauf, die Aufmerksamkeit der Muslime auf Oberflächlichkeiten zu lenken, damit die vitale Kraft des Islam verloren ginge. So konnten sie zahlreiche islamische Gebote lächerlich machen und ihrer eigentlichen Bedeutung berauben: Gebet, Fasten und Pilgerfahrt sind nur einige Beispiele dafür.

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Die beste Gemeinschaft

Eines der wichtigsten Gebote, dessen Bedeutung von den Gegnern des Islam entstellt, von den Muslimen vernachlässigt und zum Teil vergessen worden ist, finden wir in dem grundlegenden islamischen Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren wieder.

Es existieren viele Quranverse und zahlreiche Überlieferungen des Propheten über dieses bedeutende Gebot. So heißt es beispielsweise im Quran:

"Ihr seid die beste Gemeinschaft, die sich aus den Menschen gebildet hat: ihr gebietet das Gute und verwehrt das Schlechte und glaubt fest an Gott." [3 : 110]

In diesem Vers wird die Verbindung der Aussage "die beste Gemeinschaft zu sein" mit dem Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren und mit dem Glauben an Gott sehr deutlich. Um die beste Gemeinschaft sein zu können, müssen also die Mitlieder dieser Gemeinschaft das genannte Prinzip erfüllen.

Darüber hinaus gibt der aufrichtige Glauben an den einen Gott einen Maßstab, mit dessen Hilfe die Gemeinschaftsmitglieder erkennen können, was gut und was schlecht ist. Wir Muslime haben keine Berechtigung, uns als die "beste Gemeinschaft" zu sehen, solange wir dieses vom Quran geforderte Gebot nicht in die Praxis umgesetzt haben. Denn sonst waren wir wie die Juden, die sich als das "auserwählte Volk Gottes" verstehen, von dem sie tatsachlich aber weit entfernt sind!

Wir Muslime werden erst dann die "beste Gemeinschaft" bilden können, wenn wir aufrichtig glauben und das gebieten, was Gott uns ans Herz gelegt hat und das verwehren, von dem Er uns klar abgeraten hat.

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Allgemeingültige Verpflichtung

In einer der zahlreichen Überlieferungen zu diesem Thema sagt Prophet Muhammad (Friede Gottes sei mit ihm):

"Wenn meine Gemeinschaft nach mir hinsichtlich des Gebietens von Gutem und Verwehrens von Schlechtem auf andere Menschen angewiesen ist, dann wird sie Gottes Zorn auf sich ziehen!"

In einer anderen Überlieferung heißt es:

"Gott liebt den schwachen Gläubigen, der keine Religion besitzt, nicht!"

Als Muhammad gefragt wurde, was denn ein "schwacher Gläubiger ohne Religion sei", antwortete er:

"Ein schwacher Gläubiger ist derjenige, der das Schlechte nicht verwehrt!"

Auch hier sehen wir, wie wichtig dieser Aspekt ist: unser Prophet bezeichnet denjenigen, der dieses Gebot nicht erfüllt als einen schwachen, religionslosen Gläubigen, d.h. im Grunde nicht als einen Gläubigen!

Imam Ali wandte sich mit nachstehenden Worten an seine beiden Sohne Hassan und Hussein und richtet damit gleichsam an alle späteren Generationen der Muslime folgenden Appell:

"Unterlasst das Gebieten von Gutem und Verwehren von Schlechtem nicht, denn sonst werdet ihr unter den Einfluss der negativen Elemente unter euch geraten und plötzlich Gott um Hilfe rufen, ohne dass Er euch antwortet!"

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Gegenseitige Verantwortung

Eines der wichtigsten Ziele des Islam ist die Errichtung einer Gemeinschaft rechtschaffener und Gläubiger Menschen. Um dies zu erreichen, hat der Islam die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Eine dieser Voraussetzungen ist die Existenz von Verantwortungsbewusstsein unter den Menschen.

lm Idealfall sollte sich jeder für alle und alle für jeden verantwortlich fühlen. Dies ist natürlich kein einfaches Unterfangen! 
Gerade aber um diese Voraussetzung zu schaffen ist die Erfüllung des Prinzips Gutes gebieten und Schlechtes verwehren erforderlich. Denn wenn sich wirklich jeder daran halt, wird ein tiefes Gefühl gegenseitiger Verantwortung daraus entspringen. Eine solche Gemeinschaft wäre dann vor unheilvollen Einflüssen geschützt. Schlägt sich dieses Gebot im Gesellschaftssystem nieder, dann bildet sich eine Verpflichtung des Einzelnen gegenüber seinen Mitmenschen heraus. Dieses im Rahmen der islamischen Gebote wahrgenommene Verantwortungsbewusstsein garantiert den Schutz der religiösen Werte und gleichzeitig die Wahrung der Privatsphäre des Einzelnen.

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Immerwährende Gültigkeit

Das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren hatte zu allen Zeiten Gültigkeit. Alle Gesandten Gottes handelten nach diesem göttlichen Prinzip. Beispielhaft zeigt uns dies folgender Quranvers:

"Und damals, als ein Teil von ihnen sagte, warum ermahnt ihr ein Volk, das Gott zugrunde gehen lassen oder zumindest hart bestrafen wird? Sie antworteten: Als Entschuldigung vor eurem Herrn und weil vielleicht doch einige von ihnen gottesfürchtig werden! Doch als sie die Ermahnung vergaßen, erretten wir diejenigen, die ihnen das Schlechte verwehrt hatten und bestraften die Frevler hart, weil sie ungehorsam waren." [7 : 164-165]

Hier ist die Rede vom Volk Israels. Eine Gruppe aufrichtiger Gläubiger von ihnen appellierte an ihr Volk und verwehrte ihm das Schlechte, obwohl wenig Hoffnung bestand, dass es darauf hören wurde. Drei Gründe hatten diese Gruppe veranlasst, ihrem Volk in solch einer Situation ins Gewissen zu reden:

- sie wollten damit ihre Pflicht gegenüber Gott erfüllen
- damit jene später nicht hatten sagen können, sie waren nicht darauf hingewiesen worden
- zum anderen hofften sie, dass der eine oder andere doch auf ihren Appell hören und gegenüber Gott bereuen würde. Auch wenn wir andere Epochen und das Leben anderer Propheten betrachten, stellen wir fest, dass das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren immer Gültigkeit besessen hatte.

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Universale Gültigkeit

Das genannte Prinzip bezieht sich darüber hinaus auf alle Mitglieder der islamischen Gemeinschaft. Es ist nicht auf eine bestimmte Gruppe, Klasse, Schicht oder Person beschrankt. Vielmehr hat jeder gläubige Muslim diesem Gebot nachzukommen. Im heiligen Quran heißt es hierzu:

"Und die Gläubigen Männer und Frauen sind untereinander Freunde und Helfer: sie gebieten das Gute und verwehren das Schlechte." [9 : 71]

Demnach ist das Prinzip die Pflicht aller Mitglieder der islamischen Gemeinschaft, der Ummah. Damit die positiven Elemente in der Gesellschaft verstärkt und die negativen eingedämmt werden können, haben sich alle Muslime an dieses Prinzip zu halten. Die Unaufrichtigen, die nur vorgeben zu glauben, fuhren jedoch genau das Gegenteil aus. In einem anderen Quranvers wird jene Gruppe folgendermaßen charakterisiert:

"Die heuchlerischen Männer und Frauen sind Freunde untereinander: sie gebieten das Schlechte und verwehren das Gute. Sie verschließen ihre Hände und vergessen Gott. Darum hat auch Er sie vergessen. Wahrlich, die Heuchler sind die Ungerechten!" [9 : 67]

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Allgemeine Maßstäbe

Gut und Schlecht (Böse) sind im Islam nicht auf bestimmte Bereiche begrenzt. In diesem Zusammenhang werden hingegen immer zwei über geordnete Begriffe genannt: Ma'ruf — das Gute - d.h. alles Gute und zu Gott hinführende, und Munkar - das Schlechte - d.h. alles Schlechte und von Gott Wegführende.

Zwar sind alle Dinge, die die Religion dem Menschen empfiehlt gut und alle Dinge, von denen sie abraten schlecht, doch lassen sich diese beiden über begriffe nicht auf die religiösen Aussagen beschränken. Gut und Schlecht ist aus der Sicht des Islam direkt mit dem inneren Wesen des Menschen, mit seiner von Gott gegebenen Veranlagung und Identität (arabisch Fitra) verbunden. Gemäß seinem 'göttlichen Wesenskern' besitzt jeder Mensch eine natürliche Neigung zum Guten und eine natürliche Abneigung vom Schlechten. Auf Grund dieser inneren Veranlagung kann der Mensch gut und böse voneinander unterscheiden. So wird klar, dass sich das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren auf das eigentliche Wesen des Menschen stutzt. Ein vernunftbegabter Mensch, der im Einklang mit seiner Natur lebt, wird Wohlgefallen an den Dingen finden, die die schöpferische Weisheit als gut betrachtet. So wird er immer eine innere Abneigung verspüren, wenn er vor Dingen steht, die Gott für schlecht ansieht.

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Gebieten und Verwehren ergänzen sich

Das Gebieten von Gutem kann erst dann wirklich Erfolg haben, wenn zur gleichen Zeit von schlechten Dingen abgeraten wird. Die zwei Aspekte des Prinzips, also das Gebieten von Gutem und das Verwehren von Schlechtem ergänzen sich gegenzeitig und sind voneinander abhängig. So müssen  beide Aspekte immer parallel ausgeübt werden. Denn das Gute kann in einer Gesellschaft nicht gefordert werden, wenn nicht auch gleichzeitig die negativen Elemente abgebaut werden. Derselbe Grundsatz, dass sich zwei Gegensatze ergänzen
, findet sich ebenfalls bei unserem Glaubensbekenntnis wider: Auch unser Bekenntnis zur Einheit Gottes, zum Tauhid:

La ilaha illallah - Es gibt keine Gottheit außer Allah

beginnt mit einer Negation: zunächst werden alle Gottheiten, Götzen, alle abhängige Dinge, die Menschen zu ihrem Lebensinhalt machen, verneint, dann wird bezeugt, dass Allah allein würdig ist, als Lebensideal gesehen und angebetet zu werden. Somit beinhaltet das islamische Glaubensbekenntnis auch zwei Gegensatze: Verneinung und Bejahung. Jeder dieser Gegensatze bleibt für sich allein gesehen unvollkommen. Erst beide zusammen ergeben eine vollständige Aussage.

Unser Prophet, der diesen Satz zur Kernaussage des Islam machte, sagte:

"Sprecht: 'La ilaha illalah — es gibt keine Gottheit außer Allah — dann werdet ihr erfolgreich sein!"

Dies bedeutet auch, wenn jemand beispielsweise nur sagen wurde "es gibt keine Gottheit", oder nur "Allah ist ein Gott", dass dies letztendlich nicht von Erfolg gekrönt wäre. Das Gute kann solange nicht errichtet werden, als auch das Schlechte beseitigt worden ist.

Wer Überlegungen über das Gute anstellt, ohne das Schlechte ausräumen zu wollen, der geht vor einer unrealistischen Vorstellung aus. Aber auch derjenige, der nur Schlechtes sieht und beseitigen will, ohne eine Alternative anbieten zu können, besitzt keine Handhabe, etwas wirklich zum Guten verändern zu können. Denn er wird nur die negativen Elemente niederreißen, ohne an deren Stellen auch etwas Positives errichten zu können.

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Verschiedene Stufen des Gebotes

Das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren hat mehrere Stufen, die jeweils der Wichtigkeit der Sache und der besonderen Situation angepasst sind.

lm Quran werden verschiedene Vorgehensweisen aufgezeigt, die als Stufen unseres Prinzips angesehen werden können. So werden in diesem Zusammenhang folgende Begriffe genannt:

Aufruf zum Islam (Da'wa), übermitteln und Verbreiten einer Botschaft (Tabligh), Ermahnung, Ratschlag (Tawasul) und Befehl (Amr):

"Aus euch soll sich eine Gemeinschaft bilden, die zum Guten aufruft, die das Gute gebietet und das Schlechte verwehrt." [3 : 104]

"Diejenigen, die die Botschaft Gottes übermitteln und sonst niemanden fürchten. Denn Gott genügt als Beobachter." [33 : 39]

"Bei der Zeit, der Mensch kommt bestimmt zu Schaden! Ausgenommen diejenigen, die glauben und gute Werke tun und einander ermahnen, sich an die Wahrheit zu halten und einander anraten, Standhaftigkeit zu üben." [Sure 103]

Aus diesen und zahlreichen anderen Versen des Quran können wir entnehmen, dass es verschiedene Stufen von Gutes gebieten und Schlechtes verwehren gibt. Diese Abstufungen sind notwendig, weil auch die jeweilige Situation unterschiedlich ist. So existieren Fälle, die sich auf Einzelpersonen beziehen und keine oder nur begrenzte Auswirkung auf andere Personen oder auf die Gesellschaft haben. Andere Falle wiederum beziehen sich auf eine Gruppe von Menschen oder auf die ganze Gesellschaft. Wenn ein bestimmtes Problem in wirtschaftlicher, politischer, sozialer oder weltanschaulicher Hinsicht auf die Gesellschaft einwirkt und wir vor einer gesellschaftlich relevanten Angelegenheit stehen, dann müssen die verschiedenen Stufen dieses Prinzips in Kraft treten:

hier reicht das Spektrum der Praktizierung dieses Gebotes von der freundlichen Empfehlung, über den Ratschlag bis zur konkreten Kritik und zum direkten Befehl.

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Missinterpretation des Qurans

Trotz zahlreicher eindeutiger Quranverse und vieler Überlieferungen, die alle auf die Bedeutung von Gutes gebieten und Schlechtes verwehren hinweisen, versuchen die Gegner des Islam immer wieder nachzuweisen, dass das Prinzip keine Bedeutung habe und auch keine gegenseitige Verantwortung im Islam existiere. Diese Gruppe ist stets bemüht, ihre Behauptungen mit Quranversen zu belegen. So wird von ihr häufig folgender Quranvers zitiert:

"O ihr Gläubigen, kümmert euch um euch selber. Derjenige, der irregeht, schadet euch nicht, solange ihr rechtgeleitet seid. Zu Gott werdet ihr alle zurückkehren und dann wird Er euch über das aufklaren, was ihr getan habt." [5 : 105]

Diese Gruppe behauptet, wenn es heißt "kümmert euch um euch selber", dass dies dann "kümmert euch nicht um die anderen" bedeute! jeder habe sich nur um sich selbst zu kümmern, er brauche sich keine Sorgen um das Wohlergehen anderer Menschen machen. Deshalb sei auch niemand zur Erfüllung des Gebotes Gutes gebieten und Schlechtes verwehren verpflichtet.

Doch nach unserer Meinung heißt es hier auf keinen Fall, jeder hatte sich nur um sich selbst zu kümmern. Der Vers will vielmehr ausdrücken, dass sich die Muslime für die Angelegenheiten ihrer Glaubensbruder und -schwestern verantwortlich fühlen sollten. Die Gläubigen sind vielmehr verpflichtet, sich umeinander zu kümmern!

Wenn es heißt, "derjenige, der irregeht, schadet euch nicht, solange ihr rechtgeleitet seid" so bedeutet das nicht, dass die Muslime sich nicht um andere Mitmenschen zu scheren bräuchten. So verweist gerade dieser Vers auf die Bedeutung des Prinzips Gutes gebieten und Schlechtes verwehren. Denn wenn es heißt "solange ihr rechtgeleitet seid" bedeutet dies, dass  die Muslime die göttlichen Gebote und dass natürlich auch das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren erfüllen und sich daher in jedem Fall auch um das Schicksal ihrer Mitmenschen kümmern!

Wir Muslime dürfen aus solchen falschen Interpretationen nicht ableiten, dass wir uns nicht um die Nichtmuslime zu sorgen hatten! Wir werden im Nachfolgenden noch näher auf unsere Beziehung zu andersgläubigen Menschen eingehen. Auch mit zahlreichen anderen Quranversen versuchten die Gegner des Islam das islamische Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren zu schwachen. Sie wollten dabei in erster Linie die Verantwortungspflicht der Muslime beseitigen. Der folgende Quranvers spielt hierbei eine besondere Rolle:

"Und sollten sie dich als Lügner bezeichnen, dann sprich: Mir mein Tun und euch euer Tun! Ihr seid nicht verantwortlich für das, was ich tue — und ich bin nicht verantwortlich für das, was ihr tut." [10 : 41]

Dieser Vers will nicht ausdrücken, der Muslim habe keine Verantwortung gegenüber anderen Menschen. Im Gegenteil, hier ergeht eine eindeutige Warnung an diejenigen, die den Islam ablehnen, dass diese in jedem Fall mit den Konsequenzen ihren Handlungen rechnen müssen. Auf diesen Zusammenhang sollen die Muslime ihre Mitmenschen aufmerksam machen. Mit diesem Appell, das Bewusstsein der Menschen auf ihr kommendes Schicksal zu lenken, nehmen die Muslime eine ihrer islamischen Verantwortungen wahr.

Die Bedeutung und Tragweite des Prinzips Gutes gebieten und Schlechtes verwehren ist aus vielen Versen des Qurans, sowie dem Leben unseres Propheten, seiner Angehörigen, Gefährten und Nachfolger eindeutig zu erkennen. Das Leben Muhammads (Friede sei mit ihm) zeigt uns, welch große Qualen er im Ringen nach der Rechtleitung seines Volkes auf sich nahm. Sein Leben war ein permanenter Prozess, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren. Doch selbst nach all seinen Bemühungen und Anstrengungen gab es immer noch Menschen, die nicht bereit waren, die Wahrheit und das Licht des Islam anzuerkennen.

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Voraussetzungen für "Gutes gebieten und Schlechtes verwehren"

Die Kenntnis von 'Gut und Böse'

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit unser Prinzip wirklich zur inneren Verpflichtung des Muslims werden kann?

Die erste Voraussetzung hierfür ist, dass jemand weiß, was gut und schlecht ist. Denn wenn jemand keine Ahnung davon hat, besteht die Gefahr, dass dieser zum Schlechten aufruft, dass ei jedoch glaubt, es sei etwas Gutes; oder dass  er Gutes verwehrt, weil er denkt, es handele sich um etwas Schlechtes. Wenn jemand nicht kennt, was dem Islam nach gut oder schlecht ist, hat dieser noch lange keine Entschuldigung, dem Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren nicht nachzukommen. Dagegen hat jeder Muslim zu lernen, was im Sinne seiner Religion gut und was schlecht ist. Hierzu folgendes Beispiel:

Nehmen wir an, ein Muslim weiß nicht, wie er die rituelle Waschung vor dem Gebet (arabisch "wudhu") ausführt. Diese fehlende Information enthebt ihn jedoch nicht von der Pflicht der Verrichtung des Gebetes! Ein theologischen Grundprinzip im Islam besagt, dass auch die Voraussetzungen zur Erfüllung einer religiösen Pflicht als Pflichten anzusehen sind, weil nämlich ansonsten die eigentliche rituelle Handlung gar nicht erfüllt werden kann.

Es ist zwar schon gefährlich, wenn ein Muslim nicht weiß, was gemäß seiner Religion gut und schlecht ist. Viel gefährlicher, ja katastrophal wird es, wenn eine Gemeinschaft der Muslime diese Unterscheidungsfähigkeit verliert. Hierzu sei eine Überlieferung unseres Propheten erwähnt:

"Muhammad (Friede sei mit ihm) sprach einmal zu einer Gruppe von Muslimen:

"Wie wird euch zumute sein, wenn die Zeit kommt, wo eure Frauen verdorben werden und eure jungen Männer lasterhafte Handlungen begehen und ihr Gutes nicht gebietet und Schlechtes nicht verwehrt?"

Ganz erstaunt fragten ihn die Muslime: "Wird es denn überhaupt soweit kommen?"

Daraufhin erwiderte der Prophet: "Ja, und noch schlimmer! Welch ein Gefühl werdet ihr erst haben, wenn ihr Schlechtes gebietet und Gutes verwehrt?"

Da fragten sie ihn mit noch größerem Erstaunen: "Wird denn dies wirklich eintreffen, 0 Gesandter Gottes?"

Dieser antwortete: "Jawohl, und noch viel schlimmer als dies: wie werdet ihr euch fühlen, wenn ihr das Gute als das Schlechte und das Schlechte als das Gute ansehen werdet?""

Wie nahe diese Aussage doch der heutigen Situation in den meisten sogenannten "islamischen" Ländern kommt! Hierin liegt wirklich eine Gefahr, die wir alle sehr ernst nehmen sollten! Demnach hat sich ein jeder Muslim Wissen über seine Religion anzueignen, damit er auch das Gute vom Schlechten unterscheiden kann. Er hat sich das Gute anzueignen, es den anderen beizubringen und wenn immer erforderlich zu gebieten. Andererseits muss er auch versuchen, das Schlechte, die negativen Elemente in der Gesellschaft zu erkennen, analysieren, die Menschen darauf hinzuweisen und es ihnen gegebenenfalls zu verwehren.

Anhand des folgenden Beispiels wollen wir einmal aufzeigen, welche Unfähigkeit teilweise unter den Muslimen besteht, zwischen Gut und böse zu unterscheiden:

Die Gegner des Islam konnten den Gedanken unter den Muslimen verbreiten, Politik sei keine gute Sache. Ein frommer Muslim, ja jeder vernünftige Mensch, der sich die Achtung der Gesellschaft bewahren wolle, sollte sich von der Politik distanzieren. Politik sei Aufgabe der Politiker! Ein Gläubiger könne kein Politiker sein! Wenn sich ein Gläubiger jedoch unbedingt politisch engagieren mochte, dann habe er sich an die Spielregeln der Weltpolitik zu halten. Nicht könne er etwa Politik mit seiner Frömmigkeit in Verbindung bringen!

Aus diesem Grund wurden viele zentrale islamischen Gebote von ihrer gesellschafts-politischen Bedeutung getrennt. Dies trifft für das Freitagsgebet, aber auch für  die Hadsch, die alljährliche Pilgerfahrt zu. Die Hadsch ist neben ihren rituell-symbolischen Inhalten auch eine große internationale Tagung der Muslime. Sie birgt viele politische Momente in sich. So sollen sich gemäß dem göttlichen Willen die Muslime aus allen Teilen der Welt bei den heiligen Statten in Mekka und Medina einfinden, sie sollen die Einheit (Tauhid) praktizieren, sich dabei näher kennenlernen, ihre Probleme besprechen, Erfahrungen austauschen, ihre wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Probleme miteinander erörtern und diskutieren,...
Doch heutzutage wird dies nicht gestattet, weil es als politische Betätigung betrachtet wird, was nichts mit der Pilgerfahrt zu tun habe!

Desto mehr sind wir heute dazu verpflichtet, unsere Glaubensschwestern und -brüder aufzuklaren, dass diese Behauptungen von einem apolitischem Islam (?) keineswegs zutreffen! Wir müssen ihnen erklären, welche gesellschaftlichen und politischen Dimensionen allen islamischen Riten zugrunde liegen. Wir müssen den Menschen klarmachen, dass im Islam die Religion und Politik eine untrennbare Einheit bildet - und dass  dies keineswegs zu Bevormundung und Ruckschritt führt!

Auch müssen wir unseren Gegnern die entsprechenden Antworten auf ihre immerwährenden Versuche geben, unseren Islam zu entstellen und seiner politischen Aussagekraft zu berauben. Wir müssen  die Voraussetzungen schaffen, damit wir verdienen, als die beste Gemeinschaft (arabisch "kheiru ummatin") bezeichnet zu werden.

Welche Voraussetzungen dies sind, legt uns der heilige Quran klar: es ist der unerschütterliche Glaube an den einen Gott und die Erfüllung des Gebotes Gutes gebieten und Schlechtes verwehren!

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Die Frage der Wirksamkeit des Gebotes

Die zweite Voraussetzung für  die Erfüllung des Gebotes liegt in der Frage der zu erwartenden Wirkung begründet. So ist der Zweck von Gutes gebieten und Schlechtes verwehren nicht die Ausübung des Gebietens oder Verwehrens an sich, sondern das, was mit dem Gebot erreicht und verändert werden soll.

Es geht im Grunde darum, dass derjenige, dem etwas angeraten wird, diesem auch tatsachlich nachkommt. Umgekehrt aber auch, dass derjenige, dem etwas abgeraten wird, dies auch in Zukunft unterlaßt. Wenn es von vorneherein feststeht, dass keine Reaktion von Seiten des Angesprochenen erfolgen wird, dann ist der Gebietende von seiner Pflicht befreit.

Wir wollen nun einen wesentlichen Punkt klären, der eng damit in Verbindung steht. Gutes zu unterlassen und Schlechtes zu tun, kann sich auf eine gesellschaftliche oder individuelle Situation beziehen. Handelt es sich um einen individuellen Fall, ist immer die jeweils zu erwartende Wirkung zu berücksichtigen. Wenn jedoch ein gesellschaftliches Problem betroffen ist, dann sollte das Gebot Gutes gebieten und Schlechtes verwehren in jedem Fall angewandt werden. Bei gesellschaftlichen Angelegenheiten ist demnach der quranischen Aufforderung nachzukommen.

"Aus euch soll eine Gemeinschaft entstehen, die zum Guten aufruft, die das Gute gebietet und das Schlechte verwehrt." [3 : 104]

Wenn die islamische Gemeinschaft als Ganzes dieser Aufforderung nicht nachkommt, dann hat sich aus ihr zumindest eine Gruppe zu formieren, die diesem Prinzip gerecht wird: es kommt eine Gruppe engagierter Gläubiger zusammen, organisiert sich und führt gemeinsame Aktionen durch. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn das Engagement dieser Gruppe erst Generationen danach  auf die Gesellschaft auswirken sollte. Nebenbei sei bemerkt, dass jede Handlung des Muslims sich nach dem Grad der Wichtigkeit richten sollte. Das Ausmaß der Umstande und die Größe des jeweils erforderlichen Opfers sind mit der Wichtigkeit des beabsichtigten Zweckes abzuwägen. So ist auch die Art des Gebietens von Gutem und Verwehrens von Schlechtem gemäß der Wahrscheinlichkeit der erwarteten Wirkung und der Wichtigkeit der Angelegenheit zu treffen.

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Verschiedene Methoden des Gebotes

Demzufolge finden mehrere abgestufte Methoden bei der Erfüllung des Gebotes Gutes gebieten und Schlechtes verwehren ihre Anwendung:

Erstens: Die Methode durch das Herz:

Hierbei bringt derjenige, der das Gebot ausübt, seine Ablehnung gegenüber einer bestimmten schlechten Handlung eines anderen durch sein Herz und sein Gefühl zum Ausdruck, indem er durch sein Verhalten zum Verstehen geben wird, dass dieser die schlechte Tat besser Unterlassen sollte.

Für diese sogenannte Ablehnung des Herzens nennt uns der Quran ein Beispiel aus dem Leben unseres Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm):

"Auch den Dreien hat er sich wieder gnädig zugewandt, die zurückgelassen wurden, anstatt zum Schlachtfeld mitgenommen zu werden, aber nachträglich bereuten bis ihnen Angst und Bange wurde und es ihnen das Herz zuschnürte und sie erkannten, dass es vor Gott keine Zuflucht gäbe, außer eben zu IHM. Hierauf wandte ER sich Ihnen wieder gnädig zu, damit sie ihrerseits umkehren und Buße tun  würden. Gott ist der Gnädige und Barmherzige." [9 : 118]

Diesem Vers liegt ein Vorfall im Zusammenhang mit der Schlacht von Tabuk zugrunde. Bevor die Muslime zum Kampf aufbrachen, entschuldigten sich drei von ihnen, nicht am Kampf teilnehmen zu können. Als sie dies dem Propheten mitteilten, gab er ihnen seinen Unmut unmissverständlich zu erkennen. Er wandte sich von ihnen ab und sprach nicht mehr mit ihnen. Daraufhin wandten sich auch die anderen Muslime von ihnen ab. Die drei Muslime waren sehr niedergeschlagen und bereuten ihr Verhalten. Sie baten Allah um Vergebung. Der Allbarmherzige, der immer bereit ist zu vergeben, wenn die Reue seiner Diener von aufrichtigem Herzen kommt, vergab  ihnen. Auch der Gesandte und ebenso die Gläubigen verziehen ihnen daraufhin.

Eine andere Stufe der Ablehnung des Herzens ist der Boykott und der gewaltlose Widerstand. Auch die Nichtmuslime haben die Wirksamkeit dieser im Islam seit Anbeginn praktizierten Methode erkannt. Gerade heute wird immer wieder das Beispiel Mahatma Ghandis genannt, der das indische Volk zu einem Boykott gegen die Britische Kolonialmacht mobilisieren konnte. Doch der Boykott und gewaltlose Widerstand ist keine Erfindung der Neuzeit: er ist so alt wie der Islam selbst und gehört zum Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren!

Zweitens: Die Methode durch das Wort:

Auch hier existieren verschiedene Abstufungen: Will jemand einen anderen auf dessen ungutes Verhalten hinweisen, so soll er dies mit Freundlichkeit und Sanftmut tun. Nicht darf er ihn dass ei verletzen oder vor anderen blol3stellen. Einer der wichtigsten Grundsatze islamischer Ethik basiert darauf, den Menschen mit Weisheit und schöner Rede zum Guten zu führen. Man kann sich vorstellen, dass eine freundliche Haltung viel eher dass sie zum Erfolg fuhren wird, als Unhöflichkeit und Scharfe. Zeigen diese Methoden jedoch keine Wirkung, ist die höfliche, aber eindeutige Aufforderung angezeigt. Bleibt auch dies erfolglos, oder ist sie der Situation gar nicht angemessen, dann darf man unter Umständen bis zum direkten Befehl bei der Wahl seiner Methode weitergehen. Doch muss auch hier immer darauf geachtet werden, dass die Würde des Angesprochenen gewahrt bleibt.

Drittens: die Methode durch die Hand:

Diese und auch die beiden vorgenannten Methoden des Gebotes Gutes gebieten und Schlechtes verwehren gehen auf zahlreiche Überlieferungen zurück. So lautet ein Ausspruch Imam Alis in diesem Zusammenhang:

"Jemand, der das Verwehren von Schlechtem mit Herz, Zunge und Hand unterläßt, ist wie ein Toter unter Lebendigen!" (Nahjul Balagha)

Hier ist die Hand Das Symbol für die entschlossene Abwehr einer schlechten Tat. Diese Methode tritt nur dann in Kraft, wenn alle zuvor genannten Mittel versagen. So muss bei bestimmten harten Fallen mit der "Hand" eingeschritten werden, damit sich das Schlechte in der Gesellschaft nicht weiter ausbreiten kann.

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Abwägen eventuellen Schadens

Quran und Sunna unterscheiden bei unserem Gebot zwei Fälle:

Zum einen findet es gemäß folgendem Quranvers ohne Einschränkungen Anwendung:

"Und die Gläubigen Männer und Frauen sind untereinander Freunde. Sie befehlen das Gute und verwehren das Schlechte, sie verrichten das Gebet, geben die Almosensteuer und gehorchen Gott und Seinen Gesandten." [9 : 71]

In Sure Loqman heißt es weiterhin:

"Mein Sohn, verrichte das Gebet, gebiete das Gute und verwehre das Schlechte und sei standhaft gegenüber allem, was Du erleiden musst." [31 : 17]

Ein anderes Mal tritt das Gebot in seiner eingeschränkten Form auf. Denn das Gebot darf dann nicht mehr ausgeführt werden, wenn eine unverhältnismäßige Gefahr für  das Leben, die Gesundheit oder Wurde des Gebietenden entstehen wurde. Doch soll der Muslim immer den eventuellen Schaden mit der Wahl der Methode abwagen. Hierzu lesen wir im Quran:

"Er hat euch erwählt und in der Religion nichts Schweres auferlegt." [22 : 78]

"Gott will es euch leicht und nicht schwer machen!" [2 : 185]

Ferner sagte Imam Djafar as-Sadiq dazu:

"Gutes gebieten und Schlechtes verwehren sind zwei Gebote, die für denjenigen Pflicht werden, der in der Lage ist, sie zu erfüllen und der deswegen keine Furcht um sich oder um seine Familie zu haben braucht."

Während der Imam dies über  die eingeschränkte Form des Gebotes aussagt, erwähnt er ebenso den uneingeschränkten Fall:

"Am Ende der Zeiten wird es Leute geben, die dann, wenn sie oberflächlich betrachtet etwas Gutes begehen, nur von anderen gesehen und gelobt werden wollen. Diese Leute werden es nicht für ihre Pflicht ansehen, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren. Sie werden vielmehr erst dann dieses Gebot befolgen, wenn sie sicher sind, dass  ihnen dadurch kein Schaden entsteht. Dafür werden sie immer die passenden Ausreden und Entschuldigungen suchen."

Auch in zahlreichen anderen Überlieferungen und Quranversen stellen wir fest, dass das besagte Gebot in zwei Formen vorkommt:

Einmal ist die Erfüllung des Gebotes eine Pflicht, der selbst dann nachzukommen ist, wenn dies mit Schwierigkeiten verbunden ist. Solche Unannehmlichkeiten werden dann als erforderliche Opfer um der Sache Gottes willen betrachtet.

Ein anderes Mal kann man dieses Gebot unterlassen, ja ist sogar dazu verpflichtet, wenn der zu erwartende Schaden nicht in Relation zu dem steht, was geboten oder verwehrt werden soll. Wenn das Unterlassen von Gutem oder das Begehen von Schlechtem nur auf nebensachlichen Dingen beruht, ist es aus islamischer Sicht nicht gestattet, dafür große Opfer zu geben. Wenn jedoch gesellschaftlich wichtige Fragen betroffen sind, darf nicht vor persönlichen Opfern zurück geschreckt werden. Je wichtiger die Angelegenheit, desto größer sollte auch hier die Bereitschaft sein, Opfer zu geben.

Die höchste Stufe des Gebotes Gutes gebieten und Schlechtes verwehren ist der Dschihad, d.h. "die Anstrengung auf dem Wege Gottes".

Ein leuchtendes Beispiel absoluter Opferbereitschaft haben wir in Imam Hussein, Enkelsohn unseres Propheten. Als dieser in schicksalhafter Stunde in Richtung Kerbala loszieht, sagt er:

"... Ich bin nur aufgebrochen, um die Wurzeln das Unheils in der Gemeinschaft zu beseitigen und um Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren!"

Hier sehen wir, welch eine große Bedeutung dieses Gebot haben kann. Es kann so weit gehen, dass jemand durch die Befolgung dieses Prinzips seine Familie, seine Freunde und sich selbst opfert! Von unserem Propheten wird hierzu folgendes überliefert:

"Wenn Neuerungen, d.h. unislamische Verhaltensweisen in meiner Gemeinschaft aufkommen, muss der Gelehrte aufgrund seines Wissens dagegen einschreiten. Wenn er dies nicht tut, dann wird Gott sich über ihn erzürnen!"

Leider haben manche Muslime unter diesen "Neuerungen" (arabisch "Bid'a") nur solche begriffen, die mit religiösen Riten und sakralen Dingen zusammen hingen. Diese "die reine Lehre entstellenden Neuerungen" haben jedoch viele unterschiedliche Erscheinungsformen und heute finden sich in vielen Bereichen derartige Neuerungen:

Oder ist die Trennung das Gebets, das Fastens und der Pilgerfahrt von ihren eigentlichen Grundaussagen keine Neuerung? Ist die Abhängigkeit sogenannter islamischer Regierungen von fremden, islamfeindlichen Mächten keine Neuerung? Oder ist schließlich die direkte oder indirekte Anerkennung das zionistischen Besatzerregimes durch "islamische" Institutionen und Regierungen keine Neuerung?

Wir Muslime haben bisher leider nur einen kleinen Teil das Islam als den eigentlichen Islam begriffen und - dabei viele grundlegende Aspekte vernachlässigt. Bedauerlicherweise haben manche Muslime darüber hinaus ihre passive Haltung gegenüber den wichtigen Fragen des Islam sogar mit einem angeblich quranischen Grundsatz begründet. So nehmen sie den Quranvers "... und stürzt euch nicht ins Verderben!" als Rechtfertigung für ihre Passivität! Sie glauben, dass damit ausgesagt wird, dass sich ein Muslim niemals in eine Gefahr begeben sollte, so dass er einen Schaden davontrage oder gar getötet werden konnte!

Doch sollte man um der Vollständigkeit halber diesen Vers von Anfang an zitieren. Es heißt nämlich:

"Spendet auf dem Wege Gottes und stürzt euch nicht ins Verderben!" [2 : 195]

Man erkennt sofort, dass mit dem Vers etwas ganz anderes gemeint ist: die Aussage, sich nicht ins Verderben zu stürzen steht eindeutig im Zusammenhang mit dem Spenden auf dem Wege Gottes. Der Vers will sagen, dass jemand, der nicht bereit ist, etwas für  Gott zu geben, sich ins Verderben stürzt! Denjenigen, die diesen Vers als Rechtfertigung verstehen, keine Opfer auf sich nehmen zu müssen, geht es wie jenen, die den Quranvers lesen: "Ihr Gläubigen, nähert euch nicht dem Gebet" - jedoch den Zusatz "während ihr betrunken seid!" unerwähnt lassen!

Dasselbe träfe für diejenigen zu, die den Quranvers "Wehe den Betenden ..." nicht wie folgt vervollständigen wurden "... die nicht auf ihr Gebet achten und nur von den Leuten gesehen werden wollen und anderen auch die geringste Hilfe verweigern!" [Sure 107]

Bei wichtigen gesellschaftlichen Fragen, wenn beispielsweise die islamischen Werte bedroht sind, islamische Gebiete von fremden Machten besetzt sind und die Muslime unter der Herrschaft unterdruckerischer Regime leiden, usw. verlangt der Islam Opfer von den Gläubigen bei der Erfüllung des Gebotes Gutes gebieten und Schlechtes verwehren.

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Einschränkungen des Gebotes

Das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren kann erst dann angewandt werden, wenn feststeht, dass der Angesprochene die betreffende Handlung auch immer wieder tut. Wenn es sich jedoch bei einer schlechten Tat oder dem Unterlassen einer guten Tat um einen einmaligen Übertritt handelt, darf es nicht angewandt werden. Selbst wenn jemand etwas Schlechtes getan hat, man jedoch nicht sicher ist, ob dieser auch in Zukunft damit fortfahrt, darf zunächst einmal nichts dagegen unternommen werden.

Es sei daran erinnert, dass das Gebot nur dann Anwendung findet, wenn die Angelegenheit offensichtlich ist. Steht allerdings nicht eindeutig fest, ob jemand etwas Schlechtes getan hat, dann dürfen wir — vor allem in persönlichen Dingen - islamisch gesehen nicht nachbohren oder gar spionieren, um herauszubekommen, ob der Betreffende wirklich etwas Schlechtes getan hat. Wenn allerdings die Vermutung naheliegt, dass jemand etwas begangen hat, wodurch die islamische Gemeinschaft in ihrer Substanz bedroht wird, dann dürfen die Gläubigen  nicht ruhig und passiv bleiben. Vielmehr sind sie dann angehalten, der Vermutung nachzugehen und die Sache aufzuklären.

Es kommt also immer darauf an, wie schwer eine Tat wiegt und darauf, ob Einzelpersonen oder die Gesellschaft geschädigt werden, inwieweit man berechtigt ist, einer bestimmten Sache nachzugehen oder nicht! Liegen beispielsweise Anzeichen vor, in einem islamischen Land wird von fremden Machten Spionage betrieben, so können die Muslime nicht sagen, wir dürften nichts dagegen unternehmen! Immer wenn der islamischen Gemeinschaft ein Schaden zugefugt wird, ist es nicht nur erlaubt, sondern geboten, dass sich die Muslime dagegen zur Wehr setzen. Die Muslime sind somit angehalten, das geheime Vorgehen ihrer Feinde zu entlarven und ihre Gemeinschaft zu schützen.

In Fallen jedoch, wo die menschlichen Schwächen eines Individuums betroffen sind, erlaubt der Islam nicht, insgeheim Informationen einzuholen. Hier argumentiert der Quran folgendermaßen:

"O ihr Gläubigen, hütet euch davor, über andere schlecht zu denken, denn wahrlich oft ist Argwohn Sünde! Und spioniert nicht! Die einen von euch sollen die anderen in ihrer Abwesenheit nicht verleumden! Möchte denn einer von euch das Fleisch seines toten Bruders essen? Dies ist euch gewiss widerwärtig So fürchtet Gott. Wahrlich, ER ist allvergebend, allverzeihend." [49 : 12]

Demnach gehört das Ausspionieren privater Dinge im Islam zu den ganz großen Sünden.

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Gültigkeitsbereiche

Hier kommen wir nun zu einer anderen Frage:

Wo soll Gutes gebieten und Schlechtes verwehren praktiziert werden? Betrifft dieses Gebot lediglich die islamische Gemeinschaft, oder hat es auch außerhalb Gültigkeit?

Aufgrund des allgemeinen Charakters ist das Gebot sowohl innerhalb, als auch außerhalb der islamischen Gemeinschaft gültig:

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Innerhalb der islamischen Gemeinschaft

Das Prinzip ist hier deshalb von so großer Bedeutung, weil der Islam als reine Form der Lehre und eigentliche Religion Gottes vor jeglicher Entstellung bewahrt werden soll. Die Einhaltung dieses Gebotes erst gewährleistet, dass die zuletzt geoffenbarte Botschaft Gottes den gläubigen Menschen in Richtung seiner Vervollkommnung motivieren kann. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die moralische Reinheit der Gesellschaft auch in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht erhalten bleibt.

Durch die gegenseitige moralische Verpflichtung der Mitglieder der Gesellschaft wird die Gesellschaft vor negativen Einflüssen geschützt, damit sie die reine Lehre widerspiegeln und zur wirklichen 'Gemeinschaft der Gläubigen' (Ummah) werden kann.

Das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren garantiert somit innerhalb der islamischen Gemeinschaft den Schutz des Islam vor schädlichen Einflüssen. Demgemäß hat der Muslim die Pflicht, seinen Glaubensbruder vor schlechten Dingen zu bewahren und ihn immer zum Guten zu führen. Die Verantwortung, die Gesellschaft vor negativen Einflüssen zu schützen und die positiven Elemente zu verstärken, obliegt den Mitgliedern der Gemeinschaft, d.h. dem ganzen Volk. Jeder Einzelne ist verpflichtet, darauf zu achten, dass sich die Gesellschaft auf der Grundlage von Quran und Sunna weiterentwickelt.

Zu Anfang der islamischen Geschichte hatten die Muslime die Verpflichtung zu diesem Gebot verinnerlicht und mit Entschlossenheit praktiziert. Die ersten islamischen Führer räumten den Muslimen alle Möglichkeiten ein, ihre Verantwortung in dieser Hinsicht zu übernehmen. Sie waren sich bewusst, dass es sich um ein grundlegendes islamisches Prinzip handelte. So wird uns aus der Zeit des Kalifen Omar ibn Khattab überliefert, dass dieser einmal zu den Muslimen folgendes sprach:

"Befolgt mich in meinen Anweisungen und Handlungen, die mit dem Quran und der Sunna unseres Propheten übereinstimmen! Stimmt mein Verhalten jedoch nicht damit überein, so folgt mir nicht! Und weist mich in jedem Fall auf mein Fehlverhalten hin!"

Sodann stand einer der Muslime auf und sprach: "O Kalif, wisse, wir werden dir gehorchen solange du gemäß Quran und Sunna handelst. Weichst du aber davon ab, werden wir dich richtigstellen!"

Gutes gebieten und Schlechtes verwehren bewahrt also die islamische Gemeinschaft vor Abweichungen und gewährleistet die Verwirklichung der islamischen Werte.

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Außerhalb der islamischen Gemeinschaft

Das Prinzip Gutes gebieten und Schlechtes verwehren tritt außerhalb der islamischen Gemeinschaft als Aufruf zum Islam (arabisch "Da'wa") in Aktion. Gott sieht es als die Aufgabe der Muslime an, dass sie auf der Grundlage dieses Prinzips außerhalb ihrer Gemeinschaft die Menschen zum Islam einladen:

"Wenn WIR sie an einem Ort sesshaft gemacht haben, dann sollen sie das Gebet verrichten, die Almosensteuer geben und Gutes gebieten und Schlechtes verwehren. Gott ist das Ende aller Dinge." [22 : 41]

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Ziele des Aufrufs zum Islam

Auf welches Ziel ist nun der Aufruf zum Islam gerichtet?

Wir Muslime müssen die anderen Menschen zu einer Glaubensüberzeugung und Weltanschauung fuhren, die den Glauben an den einen Gott, an das Leben nach dem Tod und den Glauben, dass alle Taten des Menschen in dieser Welt ihre entsprechenden Konsequenzen in einer anderen, kommenden Welt finden werden, umfasst. Wir Muslime sind verpflichtet, die Menschen über die Inhalte unserer Religion in Kenntnis zu setzen, die Gott zur Rechtleitung des Menschen im Quran klargelegt hat. Das Wissen vom Islam wurde den Menschen den Weg zum Heil in dieser und in jener Welt eröffnen. Denn wurden sich die Überzeugungen der Menschen dieser ewigen Wahrheit angleichen, dann würde sich dies auch positiv in ihren Taten widerspiegeln.

Der Aufruf zum Islam könnte die Rettung vor den herrschenden falschen Ideologien sein. Dadurch konnte dem Materialismus, der Gleichgültigkeit und Leere im Leben der Menschen ein Ende gesetzt werden! Mit einer Neuorientierung in seiner Weltanschauung und der daraus folgenden Ausrichtung des Menschen auf die eigentliche Essenz des Daseins würde sich sein Verhalten grundlegend verändern. Er konnte die Fesseln der Angst und die geistige Leere überwinden und in dieser und der kommenden Welt echte Zufriedenheit erlangen.

Wird der Islam richtig verstanden, dann über tragt er dem Menschen vor allem das Gefühl der Verantwortlichkeit. Der Muslim bringt dann u. a. seinen Mitmenschen Verantwortungsgefühl gegenüber.

Wie kann denn nur ein Mensch das Leid seiner Mitmenschen kennen, jedoch dazu schweigen?
Wie kann jemand einen vom rechten Weg abgekommenen, Menschen in dessen Verirrung belassen?
Wie kann ein Mensch bloß vom Schicksal anderer unterdrückter Menschen wissen, aber nichts gegen deren Unterdrücker tun?
Wie kann jemand einem hungernden Kind in die Augen sehen, jedoch nichts für die Beseitigung der Ursachen seines Hungers unternehmen?

Gott sieht im Quran die Verteidigung der entrechteten und benachteiligten Menschen (arabisch "Mustas'afin") als eine Pflicht der Muslime an. Der Begriff Mustas'afin (wörtlich "Schwachgehaltenen") erfahrt im Quran ein weites Bedeutungsspektrum: demnach existieren verschiedene Formen der Unterdrückung von Menschen: zum einen werden die Menschen in ihrem Denken und ihren Anschauungen verdummt, zum anderen werden sie ihrer Freiheiten beraubt, politisch verfolgt und unterdrückt, in einem anderen Fall werden sie wirtschaftlich ausgebeutet, indem beispielsweise fremde Machte Gewalt über sie ausüben und die Reichtümer ihrer Länder ausplündern, usw...

Der Muslim seinerseits ist dagegen verpflichtet, auf die verzweifelten Rufe der Unterdrückten und Entrechteten in der Welt zu hören und ihnen beizustehen. Der Quran macht hierzu eine klare Aussage:

"Warum wollt ihr euch nicht auf dem Weg Gottes einsetzen für die schwachgehaltenen, unterdrückten Männer, Frauen und Kinder, die sprechen: 'Unser Herr, führe uns hinaus aus diesem Ort, an dem wir unterdrückt werden; und gib uns von Dir einen Fürsorger und Helfer!" [4 : 75]

Die Muslime sind demnach immer angehalten, sich für die Rechte ihrer unterdrückten Mitmenschen einzusetzen. Es ist die Pflicht eines jeden Muslims, das Licht der Wahrheitsliebe und Gerechtigkeit selbst in den entlegensten Gebieten zu verbreiten, damit die Finsternisse der Unwissenheit, Unterdrückung und des Unglaubens schließlich weichen. Insofern erstaunt es, dass es trotzdem noch Leute gibt, die die islamische Verpflichtung, für die Befreiung der Entrechteten einzutreten, als "Einmischung" in die inneren Angelegenheiten anderer Länder bezeichnen.

Wenn die große Gefahr vor der weltweiten islamischen Bewegung in den Medien herausgestellt wird, spielt offensichtlich die Befürchtung dabei eine Rolle, seine eigenen Vormachtstellungen in zahlreichen Ländern verlieren zu können. Das Echo der islamischen Revolution und die damit verbundene Hoffnung auf die Befreiung der Volker kommentieren jene Leute als Einmischung! Es ist schon seltsam, dass die islamische Bewegung und der muslimische Aufruf zum Islam, zur Befreiung und Rechtleitung der Menschen, als Einmischung angesehen wird, wahrend die massive Einmischung der aggressiven Supermächte von denselben Leuten nicht als Einmischung bezeichnet wird! Sind denn Invasionen, Massaker und Völkermord wie in Libanon, Iran, Afghanistan, Tschad, usw. keine Einmischungen?!

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Wege des Aufrufs zum Islam mit logischen Argumenten

Welche Wege leitet uns der Quran zum erfolgreichen Aufruf zum Islam?

Gemäß dem Quran sollen die Muslime die Menschen mit Vernunft, Weisheit und schöner Rhetorik zum Islam aufrufen. Der Aufruf soll immer mit Vernunft und Logik im Einklang stehen. jemanden zu überreden oder gar zum Glauben zu zwingen lehnt der Islam ab! Im Gegenteil, der Rahmen das Aufrufs zum Islam wird soweit abgesteckt, dass jeder, dar zum Glauben eingeladen wird, die auf Vernunft basierenden religiösen Prinzipien unbedingt verstanden haben muss, bevor er daran "glauben" kann.

Der Islam weist einen Glauben ohne Verstand zurück! Der Islam ist vielmehr die Religion, die mit dar Logik das Menschen und seiner ureigenen Natur (arabisch "Fitra") übereinstimmt. Die besondere Betonung der Vernunft ist ein herausstechendes Merkmal und gerade der Vorzug des Islam gegenüber anderen Religionen.

Wir Muslima haben demnach die Pflicht, Menschen die nicht glauben, mit Argumenten zu unserer Religion einzuladen. Wir sollen ihnen ihre falschen Überzeugungen, die auf Schirk (Polytheismus, Götzendienst) und Kufr (Bedeckung der Wahrheit, Unglauben) beruhen, aufzeigen. Wir sollen ihnen klarmachen, dass ihre Überzeugungen nicht mit den Maßstäben der Vernunft und mit der Natur das Menschen übereinstimmen.

Erst dann, wann wir erreicht haben, dass die Menschen die Fehler ihrer Denkweisen einsehen, können wir sie wirklich mit den islamischen Prinzipien vertraut machen. Dies sollte immer mit klaren Argumenten und Beweisen geschehen. Es sollte den Menschen vor Augen geführt werden, dass der Islam mit ihren eigentlichen Bedürfnissen im Einklang steht.

Ein Mansch, dar keine Vorurteile hat und sich seine Offenheit bewahrt hat, wird einen solchen auf Vernunft und Logik basierenden Aufruf akzeptieren. Der Quran argumentiert hier folgendermaßen:

"Rufe auf zum Wag deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung, und argumentiere mit ihnen auf die beste Art und Weise! Denn wisse, dein Herr kennt am besten, wer von Seinem Weg abgeirrt und wer rechtgeleitet ist." [16 : 125]

Allein diese Art des Aufrufs zum Islam mithilfe von Weisheit und Freundlichkeit, ohne den Einsatz von Strenge, ist erfolgversprechend. Das große Geheimnis des Erfolges unseres Propheten lag genau in diesem Punkt: Muhammad (Friede sei mit ihm) hielt sich immer an dieses Prinzip. Er entlarvte die falschen Vorstellungen der Menschen mit Argumenten und zeigte ihnen andererseits mit Logik und der schönsten Art der Rhetorik auf, dass die Inhalte des Islam ja gerade mit ihren ureigensten Bedürfnissen übereinstimmen.

Gibt es eine bessere Methode für die Einladung der Menschen zum Glauben und zur Rechtschaffenheit?

Ein weiteres Beispiel für diese Methode zeigt sich in nachfolgendem Quranvers, in dem sich Gott an die Christen wendet:

"O Volk der Schrift, übertreibt nicht in eurer Religion und sprecht nicht über Gott anders als die Wahrheit: der Messias, Jesus, Sohn der Maria, ist weiter nichts als eine Gesandter Gottes und Sein Wort, das Er zu Maria herab sandte und Geist vom ihm. Darum glaubt an Gott und Seine Gesandten und sprecht nicht: "Dreieinigkeit"! Gott ist bestimmt nur ein alleiniger Gott - viel zu würdig, als dass er einen Sohn haben konnte. Sein ist alles, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Gott allein genügt als Allerhalter." [4 : 171]

Trotzdem denken leider auch heute noch viele Menschen, der Islam sei eine Religion des Zwanges und der Gewalt. Sie glauben, der Islam habe nur deshalb Erfolg gehabt, weil er sich mit "Feuer und Schwert" ausbreitete.

Hier handelt es sich um großes Unverständnis! Vielmehr ersannen die Gegner des Islam das Klischee von der "kriegerischen Religion" und ließen diese Lüge durch unwissende Leute verbreiten. Sie versuchten seit Anbeginn, den Islam als eine jeglicher Vernunft und Logik fernen, auf Gewalt und Aggression basierenden Religion darzustellen. Sie beabsichtigen, das Licht der reinen Lehre zu verdunkeln, damit die logische und fortschrittliche Religion des Islam keine Anziehungskraft auf die Menschen ausübe.

Verwunderlicher noch ist die Tatsache, dass auf der Flagge eines Landes, das sich gern als Vertreter des Islam und Hüter der heiligen Stätten des Islam ausgibt, deutlich ein Schwert abgebildet ist. Unter unserem Glaubensbekenntnis 'La ilaha illallah - Mohammadun Rasulullah' — 'Es gibt keine Gottheit außer Allah und Mohammad ist der Gesandte Gottes' ein Schwert? Ist denn der Islam etwa doch die Religion des "Feuers und Schwertes"?

Sehen wir nicht an diesem Beispiel, wie sogenannte islamische Regierungen im Grunde die Verschwörungen und falsche Propaganda unserer Feinde unterstützen?

Ein Mensch mit Verstand und Gewissen wird bei genauer Betrachtung der islamischen Lehre erkennen, dass die Anziehungskraft des Islam auf die Menschen nicht auf Zwang und Gewalt, sondern auf Überzeugung, Aufklarung und Logik aufgebaut ist:

"Kein Zwang soll sein im Glauben! Wahrlich, der rechte Weg ist vom falschen deutlich unterschieden. Wer also die Tyrannen verwirft und an Gott glaubt, der halt sich an der stärksten Handhabe, die nicht zerbricht! Wahrlich, Gott ist Allhörend, Allwissend!" [2 : 256]

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Aufruf zum Islam durch das Verhalten

Nun wollen wir auf den praktischen Aspekt des Aufrufes zum Islam eingehen:

Der einzelne Muslim und die islamische Gemeinschaft als Ganzes sollte immer bemüht sein, ein lebendiges und praktisches Beispiel für  den Islam darzustellen. Im Muslim und seiner Gemeinschaft sollte sich nämlich das Licht des Islam widerspiegeln. Darauf hat der Islam einen großen Wert gelegt.

Unser Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) wird im Quran als Vorbild und Modell vorgestellt: sein Verhalten, seine Lebensführung und sein Charakter standen tatsachlich völlig im Einklang mit der Lehre. Es gab keinen Bruch zwischen theoretischem Glaubensinhalt und praktisch gelebtem Glauben bei ihm. Alle Dinge, zu denen er die Menschen motivierte, spiegelten sich auch in seinem Handeln wider. Daher gilt Muhammad als leuchtendes Beispiel für die Muslime, als der Maßstab schlechthin, mit dessen Hilfe sich der Muslim in individueller und gesellschaftlicher Hinsicht den idealen islamischen Werten angleichen kann. Hierzu heißt es im Quran:

"Gewiss habt ihr in dem Gesandten Gottes ein schönes Beispiel. Er ist ein Modell für denjenigen, der auf Gott und den Jüngsten Tag hofft und häufig über Gott meditiert." [2 : 143]

Wie der Prophet so stellt auch die islamische Gemeinschaft ein Vorbild für andere Gemeinschaften dar:

"Ebenso machten Wir euch zu einer Gemeinschaft, die den 'Weg der Mitte' beschreitet, damit ihr ein Modell für die Menschen seid, genau wie der Gesandte ein Modell für euch ist!" [2 : 143]

Der Quran betont demnach, dass beides, der Muslim und seine Gemeinschaft, Vorbilder für die Menschen sein sollen. Dagegen verurteilt er denjenigen, der Gutes gebietet und Schlechtes verwehrt, sich selbst aber nicht danach richtet:

"Wollt ihr den Menschen etwa Gutes gebieten und dass dabei euch selbst ganz vergessen, obwohl ihr die Schrift lest? Warum denkt ihr eigentlich nicht nach?" [2 : 45]

An einer anderen Stelle heißt es:

"O ihr Gläubigen, warum sagt ihr, was ihr nicht tut? Es ist äußerst verwerflich bei Gott, wenn ihr etwas sagt, was ihr nicht tut!" [61 : 2-3]

Warum stellt der Quran die Untrennbarkeit zwischen Wort und Tat so klar heraus und sieht im Muslim und seiner Gemeinschaft ein Vorbild für andere Menschen?
Die Antwort liegt nahe: weil die Nichtmuslime, wenn sie die Muslime bei schlechten Handlungen ertappen, dieses Fehlverhalten sofort mit dem Islam gleichsetzen! Dies ist eine Tatsache, mit denen die Muslime über all konfrontiert sind.

Was würden die Menschen denken, wenn sie die Muslime bei einer ihrer wichtigsten rituellen Handlungen - nämlich der Pilgerfahrt, Hadsch - beobachten wurden? Wenn sie sehen, in welchem unhygienischen Zustand sich die heiligen Statten in Mekka und Medina befinden, so dass es den Pilgern schier unmöglich gemacht wird, ihre Kleider sauber zu halten? Was würden die Nichtmuslime sagen,  wenn sie bei der Pilgerfahrt alljährlich tausende Tonnen Fleisch sinnlos vergeudet sehen, wo doch zur selben Zeit Tag für Tag in der Welt ungefähr 40.000 Kinder den Hungertod sterben?!

Die Menschen würden nicht die Saudis und andere unislamische Regime dafür verantwortlich machen! Sie können sich ja nicht vorstellen, dass solche Zustände auf Grund der Nachlässigkeit und Passivität der Muslime entstanden sind! Nein, sie wurden sofort denken, dass die Religion daran schuld und es der Islam sei, der den Muslimen solche falschen Dinge vorschreibt.

Die Nichtmuslime erkennen unsere Religion an unserem Handeln und nicht aus den eigentlichen Inhalten der islamischen Lehre!

Sie haben keine Ahnung, dass unser Prophet immer wieder betonte:

"Sauberkeit ist Bestandteil des Glaubens!"

oder dass es im Quran heißt:

"Esset und trinket, aber vergeudet nichts! Denn Gott liebt die Verschwender nicht!" [7 : 31]

Die Nichtmuslime kennen die einzelnen Glaubensinhalte unserer Religion nicht! Sie blicken nur äußerlich auf uns Muslime und auf unsere Handlungen! Man kann es ihnen nicht zum Vorwurf machen, wenn sie denken, dass das Handeln der Muslime doch ihrer Religion entspringen müsse!

Wir Muslime sind daher um so mehr verpflichtet, uns zu bemühen, den Menschen die Große des Islam durch unser Verhalten klarzumachen. Wir dürfen durch unser Verhalten den Nichtmuslimen keinen Anlass geben, den Islam schlecht zu machen. Nur wenn unsere Worte und Taten eine Einheit bilden und wir auch wirklich das tun, was uns der Quran ans Herz gelegt hat, können wir die Menschen effektiv zum Islam einladen.

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Die Beziehung der Muslime zu den Gläubigen (Tawalli)

Nachdem wir den Aspekt von Gutes gebieten und Schlechtes verwehren, der sich auf den Bereich außerhalb der islamischen Gemeinschaft bezieht, nämlich den Aufruf zum Islam besprochen haben, wollen wir nun einmal naher auf die Beziehung der Muslime untereinander und zu den Nichtmuslimen.

Zunächst zur Beziehung unter den Muslimen. Hier stellt sich folgende Frage:

Auf welcher Grundlage basiert diese Beziehung?

Der Islam sieht die Beziehung der Muslime untereinander eindeutig auf der Grundlage des Glaubens (Iman) und nicht auf Kriterien wie gemeinsame Herkunft, Rasse, Hautfarbe, Sprache, usw. begründet. Die Muslime fühlen sich, wo immer sie sich auch befinden mögen, auf Grund ihres gemeinsamen Glaubens als füreinander verantwortliche Brüder und Schwestern. Der aufrichtige Glauben an den einen Gott und an die Prinzipien des Islam erzeugt eine feste Bindung zwischen den Gläubigen. Diese Bindung geht weit über alle nationalen, ethischen und kulturellen Grenzen hinaus.

So zielt der Islam auf eine Gemeinschaft von Gläubigen ab, die vereint, unabhängig und engagiert für die Wahrheit und die Religion Gottes eintritt. Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft fühlt sich wie ein Teil eines lebendigen Körpers. Hören wir dazu eine Überlieferung unseres Propheten (Friede sei mit ihm):

"Das Gleichnis der Anziehung und Zuneigung der Gläubigen ist das eines Körpers: wenn ein Glied erkrankt ist, leiden alle anderen Körperteile mit!"

Demnach ist die Gemeinschaft der Gläubigen so groß sie auch sein mag, ein lebendiger Körper. Wenn nur ein Glied dieses Körpers von Leid heimgesucht wird, sind auch alle anderen Glieder davon betroffen. Laut Quran verbindet die Gläubigen eine enge Freundschaft:

"Ein jeder der Gläubigen Männer und Frauen ist ein Freund des anderen, sie gebieten einander das Gute und verwehren einander das Schlechte..." [9 : 71]

Ein Gläubiger Mensch möchte nur das Beste für seinen Bruder oder seine Schwester im Glauben. Da er echt an ihrem Schicksal interessiert ist, mochte er alles Negative von ihnen fernhalten. Dieses Prinzip der engen Freundschaft zwischen den Gläubigen, d.h. den "Freunden Gottes" wird im Islam Tawalli genannt.

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Die Beziehung der Muslime zu den Ungläubigen (Tabarri)

Wie verhalt es sich nun mit der Beziehung der Gläubigen zu den "Feinden Gottes", d.h. jenen Ungläubigen, die aktiv gegen das göttliche Gesetz und die Gläubigen vorgehen?

Eine Freundschaft der Gläubigen mit den "Feinden Gottes" lehnt der Quran strikt ab. Die Gläubigen sollen jene Ungläubigen niemals als Freude akzeptieren oder sich ihnen gar unterwerfen. Das bedeutet aber nicht, dass wir Muslime mit Andersgläubigen und andersdenkenden Menschen keine Beziehung eingehen sollen. Der Quran sagt hierzu:

"Nicht halt euch Gott von denjenigen ab, die euch wegen der Religion nicht bekämpfen und euch aus eurer Heimat nicht vertrieben haben, dass ihr ihnen wohltätig seid und sie gerecht behandelt. Denn Gott liebt ja die Gerechthandelnden!" [60 : 8]

Der Islam sagt also nicht, dass die Muslime nur mit Muslimen freundschaftliche Beziehungen aufrechterhalten sollen. Doch sollte ein Muslim wissen, zu welcher Gemeinschaft er gehört. Der Muslim ist Mitglied der Ummah, der Gemeinschaft der Gläubigen. Ein Andersgläubiger oder Atheist dagegen ist Mitglied einer anderen Gemeinschaft!

Deshalb unterscheiden sich die Beziehungen zwischen den Muslimen untereinander von ihren Beziehungen zu Nichtmuslimen. Ein Muslim wird in einer fremden Gesellschaft niemals völlig aufgehen, sich darin "auflösen". Seine Toleranz und freundschaftliche Beziehung zu den
Menschen anderer Gemeinschaften darf niemals so weit gehen, dass er sich als Mitglied jener Gemeinschaft, nicht aber mehr als Mitglied der islamischen Gemeinschaft fühlt!

Es ist kein Widerspruch, wenn ein Muslim freundschaftliche Beziehungen zu andersdenkenden Menschen unterhalt, gleichzeitig aber die "Feinde Gottes" nicht als seine Herren akzeptiert. Dazu heißt es im Quran:

"O ihr Gläubigen, nehmt nicht meine Feinde und eure Feinde zu Freuden! Ihr begegnet ihnen mit Liebe, obwohl sie die Wahrheit, die zu euch kam, verleugnen. Sie vertreiben den Gesandten Gottes und euch, weil ihr an Gott, euren Herrn, glaubt..." [60 : 1]

Warum die Gläubigen die "Feinde Gottes", die gleichzeitig auch ihre Feinde sind, nicht als Freunde akzeptieren sollen, zeigt der nachstehende Vers:

"Wenn sie euch zu fassen kriegten, würden sie eure Feinden werden und gegen euch ihre Hände und ihre Zungen in Schlechtigkeit loslassen und wünschen, dass ihr doch ungläubig würdet!"

Können wir nicht eindeutig den aktuellen Bezug dieser klaren Aussage des Qurans erkennen?
Bestimmte sogenannte islamische Regierungen hegen heutzutage nicht nur Freundschaft mit den eigentlichen Feinden des Islam, sondern haben sich diesen menschenverachtenden Machten ganz und gar ausgeliefert und unterworfen.

Werden nicht aufgrund dieser Unterwerfung die US-Aggressoren erst dazu in die Lage versetzt, Tat für Tag unschuldige Muslime, wie  beispielsweise in Libanon zu töten?
Können nicht auf Grund dieser Unterwerfung die russischen Okkupanten weiterhin das tapfere muslimische Volk Afghanistans ermorden?
Konnte sich das zionistische Besatzerregime nicht wegen dieser feigen Unterwerfung etablieren und einen Völkermord gegen das palästinensische Volk inszenieren?
Konnten die Zionisten nicht deshalb den Libanon unbehindert überfallen, um die islamische Bewegung zu ersticken?
Können wir wirklich diese "islamischen" Regierungen, die sich feige den unterdruckerischen Militärmächten aus Ost und West unterworfen haben und die "Feinde Gottes" zu ihren Freunden genommen haben, dennoch als Muslime bezeichnen?

Die "Feinde Gottes" versuchen unentwegt, die Gläubigen auf ihre falschen Wege zu ziehen. Daher sollten sich die Muslime davor hüten, mit diesen heimtückischen Kräften Freundschaften einzugehen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Muslime alle Beziehungen mit den Nichtmuslimen abbrechen s0llten! Die Muslime sind angehalten, die gesellschaftlichen Beziehungen zu andersdenkenden Menschen aufrechtzuerhalten. Wie anders könnten sie dann diesen Menschen etwas vom Islam erzahlen?

Doch sollten die Muslime dabei den Rahmen des Islam niemals verlassen!

Der Quran lehnt also eine Freundschaft der Muslime mit jenen Ungläubigen, die aktiv gegen das Gesetz Gottes und die Muslime vorgehen, ab. Denn eine solche Freundschaft würde die Beziehungen unter den Muslimen, sowie die Grundfesten der islamischen Gemeinschaft erschüttern und gefährden.

Der Quran spricht mit folgenden Worten über jene, die nicht an Gott und Seinen Gesandten glauben:

"Du wirst viele von ihnen sehen, die sich mit den Ungläubigen befreunden. Sicherlich ist das, was sie für ihre Seelen vorausschicken so schlecht, dass Gott mit ihnen böse ist und sie die Pein ertragen müssen. Hätten sie doch an Gott und den Propheten und an das, was ihnen geoffenbart worden ist, geglaubt, dann hatten sie jene nicht zu Vertrauten gemacht! Aber die meisten von ihnen sind Gottlose!" [5 : 79-80]

Die Freundschaft der Gläubigen mit den Ungläubigen entspringt also dem Unglauben gegenüber Gott, den Propheten und Seinen Weg. Aus dem Vers sehen wir deutlich, welche negativen Folgen ein solches Verhalten nach sich zieht. Gott will damit die Gläubigen vor solchen Freundschaften warnen und bewahren. Warum hat der Quran diese Art von Freundschaft so eindeutig abgelehnt? Das Ziel der Ungläubigen, genauer gesagt derjenigen, die entweder offen die Wahrheit und das göttliche Gesetz bekämpfen oder aber insgeheim im Verborgenen Plane gegen die Gläubigen aushecken, ist klar. Sie wollen nicht in eine Beziehung mit den Gläubigen treten, um einen zwischenmenschlichen Kontakt herzustellen, sondern um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Sie werden, sofern sie die geringste Möglichkeit haben, versuchen, ihre Hände und Zungen in Schlechtigkeit gegen die Gläubigen loszulassen. Im Grunde geht es ihnen darum, zuerst den Gläubigen ihre Denkweisen, Überzeugungen und ihre Kultur aufzuzwingen, um sie dann auch in anderen Bereichen unterwerfen und ausbeuten zu können.

Es ist eine Tatsache, dass die unterdrückerischen Mächte in andere Völker auf dem Wege der Gedanken und der Kultur eingedrungen sind. Doch der Islam schließt die Tür dieser hinterhaltigen Einflussnahmen.

Ferner lehrt der Quran den Gläubigen, dass sie sich keine Hoffnung zu machen brauchten, irgendeinen Nutzen von den Ungläubigen ziehen zu können. Hierzu heißt es:

"Das sind die, welche die Ungläubigen zu Vertrauten machen anstatt der Gläubigen! Wünschen sie denn etwa Macht und Größe durch sie, obwohl alle Macht in Gottes Hand liegt?" [4 : 139]

In diesem Vers öffnet der Quran all jenen Gläubigen die Augen, die meinen, die Ungläubigen könnten ihnen in irgendeiner Weise dienlich sein. Muss doch die Orientierung der Gläubigen an den Ungläubigen zu einer Spaltung und damit Schwächung der Gemeinschaft der Gläubigen fuhren!

Diejenigen Gläubigen aber, die ihre Gemeinschaft in der Hoffnung auf Größe und Macht verlassen und zu den Ungläubigen überwechseln, werden ihr Ziel nicht erreichen: im Gegenteil, sie werden schließlich alle ihre Macht und ihre Größe verlieren.

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Verschiedene Gesichter der "Feinde Gottes"

Die "Feinde Gottes", von denen sich die Muslime fernhalten sollen, treten in verschiedenen Spielarten auf:

Dazu gehören jene Ungläubigen, die sich über die Glaubensüberzeugungen der Muslime lächerlich machen und die Religion Gottes verspotten:

"O ihr Gläubigen! Nehmt nicht jene von denen, welchen die Schrift gegeben wurde und von den Ungläubigen zu Freunden, die euren Glauben zum Gespött und Spiel machen! Habt vielmehr Ehrfurcht vor Gott, so ihr Gläubige seid." [5 : 58]

Weiterhin treten die "Feinde Gottes" in dem Gesicht der Satane auf. Nach der islamischen Lehre sind die Satane nicht irgendwelche furchterregende Teufelswesen, sondern im Grunde alle Dinge, die den Menschen von Gott trennen:

"Wer Satan an Stelle Gottes zum Vertrauten nimmt, der ist gewiss offenkundigem Verderben verfallen. Satan macht ihnen nur leere Versprechungen und weckt ihre Lüste ..." [4 : 119]

Sogar nächste Verwandte können in bestimmten Fällen zu "Feinden Gottes" werden. Wenn sich selbst nächste Verwandte gegen die Wahrheit und das göttliche Gesetz vergehen, löst Gott gleichsam die Verwandtschaftsbande auf:

"Ihr Gläubigen, nehmt nicht eure Vater und Brüder zu Freunden, wenn sie dem Glauben den Unglauben vorziehen. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der ist selbst ein Unheilstifter!" [9 : 23]

Gemeinsames Merkmal aller "Feinde Gottes" ist, wenn sie in eine Beziehung zu den Muslimen treten, dass sie diese dann nur spalten und dadurch schwachen wollen. Auf keinen Fall werden sie den Gläubigen etwas Positives bringen!

Sehen wir nicht heute, wie die eigentlichen Feinde des Islam und der Muslime unter verschiedenen Vorwänden versuchen, Einfluss auf die Muslime zu gewinnen? Wie die Regime der USA, der Sowjetunion und Israels auf die Spaltung der muslimischen Gemeinschaft abzielen? Was für Anstrengungen sie unternehmen, wie viel Gelder sie ausgeben, um die Gläubigen gegeneinander aufzuhetzen?

So sagen diese spalterischen Mächte beispielsweise: "die Schiiten sind eure Feinde!" Doch gleichzeitig schweigen sie sich über die Pläne der eigentlichen Feinde des Islam und der muslimischen Gemeinschaft (arabisch "Ummah") aus!

Wir wissen jedoch genau, dass diejenigen, die versuchen, Keile in die Gemeinschaft der Gläubigen zu treiben, weder Sunniten noch Schiiten, sondern die Feinde Gottes und der Muslime sind!

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"Gut und Böse" im Islam


Nachfolgende Gegenüberstellung soll anhand einiger weniger Beispiele die beiden komplexen Begriffe für Gut (arabisch "Ma'ruf") und Böse, Schlechte (arabisch "Munkar") etwas näher erläutern.
 

Gut

*Wahrheitsstreben und Sinn im Leben
*aufrichtiger Glaube
*Eintreten für Gerechtigkeit
*Freundschaft mit den Freunden der Wahrheit
*Emanzipation und Befreiung
*Friedensliebe
*Brüderlichkeit
*Hoffnung und Humor
*Anstrengung auf dem Wege Gottes
*Widerstand und Verteidigung seiner Rechte
*Freigebigkeit für die Sache Gottes
*Engagement und Verantwortlichkeit
*Güte und Vergebung
*Streben nach Einheit
*Opferbereitschaft und Selbstverzicht
*Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit
*Treue und Einhalten von Abmachungen
*Nächstenliebe
*Wahrheitsliebe und Bewusstmachung
*Motivierung zu Dingen, die zu Gott führen
*Glauben an den einen Gott - Tauhid
 

 

Schlecht

*Orientierungslosigkeit und geistige Leere
*Scheinheiligkeit
*Unterstützung von Unterdrückern
*Freundschaft mit den Feinden der Wahrheit
*Unterwerfung und Versklavung
*Kriegstreiberei
*Feindseligkeit
*Pessimismus und Trübsal
*Bequemlichkeit und Trägheit
*Unterwerfung gegenüber Aggressoren
*Materialismus, Geldgier und Geiz
*Gleichgültigkeit und Stumpfsinn
*Rache und Gemeinheit
*Aufhetzung und Spalterei
*Selbstsucht und Egoismus
*Lüge und Betrug
*Verrat und Vertrauensbruch
*Eigenliebe und Menschenhass
*Manipulation und Verschleierung der Wahrheit
*Verführung zu Dingen, die von Gott entzweien
*Polytheismus und Götzendienst - Schirk
 
 

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