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Warum der letzte Prophet?
Seyyed Modjtabaje Musawi
Der Prophet des Islams ist der letzte aller von Gott ausgesandten Propheten!
Dieser Grundsatz gilt als wichtiges Kernstück unserer Religion und bedeutet
somit, dass nach dem Überbringer des Islams kein neuer Gottgesandte in
Erscheinung treten wird.
Wenn immer vom Islam die Rede ist, so bleibt die Rolle des Propheten als
Endglied in der Kette der Gottgesandten unübersehbar. Welcher Moslem wird, wenn
er an Mohammad (s.a.s.) denkt, nicht sofort immer wieder in ihm auch den letzten
aller Propheten sehen? Welcher wird daran zweifeln, dass der heilige Koran die
letzte vonseiten Gottes offenbarte Botschaft an die Menschen darstellt?!
In keiner anderen Lehre außer der des Islams treffen wir das Phänomen an, dass
diese Lehre bekannt gibt, die letzte aller Botschaften zu sein. Und keiner der
vom Himmel her Beauftragten und Auserwählten hat je gesagt, dass seine Botschaft
bis zum Ende aller Zeiten gälte.
Der Sonnenaufgang des Islams am Horizont der Menschheit liegt inzwischen mehr
als 14 Jahrhunderte zurück. 14 Jahrhunderte lang wird der Prophet des Islams als
letzte aller Propheten genannt, der Prophet, welcher die von Gott herab gesandten
Gebote vervollständigte und abschloss und es,
bewies seine Botschaft mit ihrem wirkungsvollen, überreichen Inhalt, ihrem
einleuchtenden Grundsatzprogramm auch durch diesen langen Zeitraum hindurch,
dass
sie den Rang des vervollkommnenden Endgliedes in der Reihe der von Gott erfolgten
- durch Propheten übermittelten - Botschaften verdient.
Im Gegensatz zu den vorangegangenen religiösen Lehren, die nicht über einen
bestimmten Zeitraum oder Ort hinausgingen, kennt der Islam keine solche
Begrenzung. Er geht über Ort und Zeit hinaus und ist die Zusammenfassung und das
allseitige Resümee aller zuvor herab gesandten göttlichen Offenbarungen.
Und auch der heilige Koran zeichnet Mohammad (s.a.s.), wenn er dessen strahlende
Erscheinung beschreiben will damit aus, dass er jener Gottgesandte ist, durch den
das Kapitel der Prophetenschaft abgeschlossen wird.
An dieser Stelle fragt es sich, wie der scheinbare Widerspruch zu lösen ist,
nämlich der zwischen der Erforderlichkeit einer - zur Dynamik und Belebung
führenden Aussendung von Propheten auf der einen Seite und dem Abbruch des
Phänomens aufeinander folgender Propheten auf der anderen. Wie kann zwischen der
Unumstößlichkeit islamischer Anordnungen und dem Prinzip der gesellschaftlichen
Umwandlung bzw. der Suche nach
neuen Bedeutungen und neu einzusetzenden Regelungen eine Harmonie hergestellt
werden?
Infolge technischer und industrieller Fortschritte hat sich der Mensch
inzwischen in ein Wesen verwandelt, das stetig nach Neuem ausschaut, das in
allen Bereichen seines Lebens eine Brücke zu immer wieder anderen Grundsätzen
und neuen Systemideen zu schlagen wünscht. Kann daher ein solcher Mensch sein
Leben und die Umwandlungen in seiner Gesellschaft mit Hilfe einer Religionslehre
regeln, die vor mehr als 14 Jahrhunderten in Erscheinung trat und ihn zur
Beachtung einer ganzen Reihe von festen Wertstellungen und bleibenden Gesetzen
auffordert sowie von jeder Art von Meinungsänderung in Bezug auf die
überlieferten Bestimmungen abhält?
Diese Frage wird durch den Islam selbst erwidert. In ihm wurde das Ende der
Aussendung von Propheten bekannt gegeben und er selbst löst die scheinbaren
Widersprüche durch entsprechende Antworten:
Einer der Gründe dafür, dass zuvor wiederholt Botschaften von Gott ausgingen und
wiederholt seine Propheten auftraten, ist in den Änderungen und Fälschungen zu
sehen, die die Himmelsbücher vorangegangener Gottesboten mit den Zeit erfuhren,
und aufgrund derer ihre ursprüngliche Eignung als Mittel zur Führung und Lenkung
der Menschheit verloren ging.
Sobald diese Menschheit aber die Rangstufe geistiger Entwicklung und Fähigkeit
erreicht hat, auf der sie religiöse Gesetze und Lehren auch
in die Zukunft hinein vor Abänderungen und vor Entstellungen zu bewahren in der
Lage ist und sie verbreiten kann, fällt der wichtigste Grund zur erneuten
Aussendung und zur Überbringung einer neuen Botschaft für immer flach.
Die Ära, in der der Prophet des Islams erschien war jenen Zeitabschnitten, die
mit dem Auftreten der anderen Propheten zusammenfielen, voraus, denn die
Menschheit hatte ihr geistiges Erwachsensein begonnen. Und so waren die
Bedingungen dafür geschaffen, die Prophetenschaft zu vollenden, zu beenden. Dieser
- einen wichtigen Grundpfeiler im Glauben darstellender - Abschluss der
Aussendung von Gottgesandten konnte dank gesellschaftlicher Reife und dank
zunehmenden Wissens und dem In-Erscheinung-Treten der Wissenschaft erfolgen und
deshalb, weil der Mensch nunmehr das Niveau erreicht hatte, die für ihn von Gott
herab gesandte Religion so, wie sie ist, zu bewahren und für sie zu werben, sie
zu verbreiten. Die Aufgabe einer solchen Werbung, Aufklärung, Führung und
Lenkung konnte somit den Händen von Gelehrten und Ulamas (religiösen Gelehrten)
anvertraut werden. Nach Abbruch der göttlichen Missionen, obliegt es nunmehr der
Menschheit, mit Hilfe der letzten heiligen Schrift und unter Zuhilfenahme der
eigenen kulturellen und sozialen Entwicklung das geschichtliche Erbe und die
geistig - seelischen Errungenschaften aufrechtzuerhalten, zu bewahren,
und die Entstellung und Änderung der letzten Offenbarungsschrift zu verhindern.
Die Verantwortung für diese letzte Botschaft Gottes lag und liegt nicht mehr auf
den Schultern nur einer Person, sondern wurde auf viele Schultern verteilt,
wandelte sich von der individuellen zur kollektiven Aufgabe um.
Der Koran spricht in Sure Al-Imran, Ayah 104:
"Aus euch all eine Gemeinschaft sein, die zum Guten aufruft, gebietet, was recht
ist und von dem abhält, was verwerflich."
Im Laufe gesellschaftlicher Umwandlungen erreicht der Mensch letztendlich eine
Phase, in der schrittweise chirurgische Eingriffe (wie Reformen) keine Wirkung
mehr zeigen. In einer solchen Phase schickt er sich zur Schaffung einer neuen
Ordnung an. Hier wird es der prophetischen Mission zur Aufgabe, die Verbindung
vom Punkt des Abbruches zur Bahn des Fortdauerns zu schaffen. Und hier obliegt
es wiederum den Menschen, ihre eigene Zukunft zu bestimmen, d.h. sie haben mit
offenen Augen, Klugheit und Erforschung dessen, was ihnen durch göttliche
Offenbarung zuteil wurde, den richtigen Entschluss zu fassen.
Es muss auf der Kreuzung dieser Entscheidungsphase eine geistige und
gesellschaftliche Ordnung bereitstehen. Eine Ordnung, die menschliches Denken
und Handeln von der Last hemmender, zermürbender, innerer und äußerer
Abhängigkeiten befreit.
Eine Ordnung zur Regelung eines ununterbrochenen und im Zeichen Gottes stehenden
Mühens um das Gute im Tun und im Gedanklichen.
Die Grundrisse und Grundsätze einer solchen Ordnung werden durch den heiligen
Koran, dieses ewige göttliche Wunder, dargelegt und aufgezeigt. Und mit dieser
Denkweise und dank dieses kulturellen Planes eilt der Mensch, sich seinen Weg
glättend, voran und strebt immer weiter vorwärts, aufwärts.
Der Koran stellt unter den anderen Himmelsschriften das einzige heilige Buch
dar, welches im Laufe der Zeit keinen Schaden erlitt. Sein Inhalt blieb
unberührt, unverfälscht, intakt, und er besteht eindeutig aus Lehren voller
Kreativem, an denen wir immer wieder aufs neue Neues entdecken können.
Im Vers 9, Sure Hedjr, lesen wir:
"Wir selbst haben diese Schritt herab gesandt und wir geben auch auf sie acht."
Indirekt enthält diese Ayah den Hinweis darauf, dass der wichtigste Grund, der die
wiederholte Aussendung von Propheten erfordert hatte, weggefallen ist. Man muss
im Auge behalten, dass, wenn der Moslem an das Vorhandengewesensein aller
göttlichen Gesandten glaubt, dies gleichbedeutend ist mit der Überzeugung von
einem Vorgang, der ununterbrochen die Geschichte durchzog und sich seit Anbeginn
der Menschheit und
Anbeginn der ersten gesellschaftlichen Formen an der Front des Rechts gegen das
Unrecht bewegte. Ein Vorgang, der sich bis zum endgültigen, entscheidenden Sieg
des Rechts und des Rechten in die Zukunft fortsetzen wird, wobei hinzuzufügen
ist, dass der Weg jedes Propheten und damit Überbringers von Erkenntnis und
geistiger Entwicklung über die jeweils zur Zeit in der Gesellschaft gegebene
Kapazität und Möglichkeiten führte.
Das Vorliegen von teilweisen Unterschieden in den religiösen Gesetzen und
Vorschriften beeinflusst keineswegs das Wesen und die Grundlagen der einen und in
allen Missionen enthaltenen göttlichen Religion. Derartige
Nichtübereinstimmungen betreffen lediglich sekundäre Richtlinien und
Nebenbestimmungen, sind jedoch nicht der Art, dass sie grundlegende Differenzen
in Bezug auf Lebensanschauung und Lehre darstellen könnten.
Fehlentwicklungen und Abweichungen von der ursprünglichen Lehre sind
grundsätzlich nur durch eine weit gefächerte und spezielle Vorgehensweise wieder
korrigierbar und diese Vorgehensweise muss den konkreten Umständen entsprechend
programmiert werden.
Wenn wir demnach beim Vergleich des Lebenswerkes eines Propheten mit dem eines
oder mehrerer anderer teilweise Nicht-Übereinstimmung hinsichtlich der Methodik
antreffen, so bleibt die gemeinsame Basis und das Grundziel aller Gottgesandten stets von diesen Nicht-Übereinstimmungen unberührt.
Sie alle wollen jene Menschen, die in ihrer Zeit im kulturellen und
gesellschaftlichen Dunkel zubringen und von sich aus die eigentliche Wahrheit
und Realität nicht erfassen können, neu erziehen und ihren Gedanken die rechte
Form geben.
Daher liegt grundsätzlich keinerlei Widerspruch zwischen den prophetischen
Botschaften der einzelnen Gottgesandten vor. Der heilige Koran sagt in Sure
Ma'ede, Ayah 46:
"Und wir sandten - nach den Propheten - Jesus, den Sohn der Maria, aus, der
bestätigte, was vor der Thora des Moses da war..."
Quelle: Gottes letzte Botschaft an die Menschheit.
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