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Waren alle Gefährten wahrhaftig?


Allah (s.w.t.) sagt:

"Oh, die ihr glaubt! Wenn einer, der nicht vertrauenswürdig ist, euch eine Nachricht bringt, so vergewissert euch dessen, damit ihr nicht einem Volk unwissentlich Unrecht zufügt und danach bereut, was ihr getan habt. " [Sure 49, Vers 6]

Die Schia sind all den Gefährten des Propheten Mohammed (s.) ergeben, die loyal zu seinen Lehren in seinem Leben waren und es auch nach seinem Tod blieben. Nach sunnitischer Sicht werden auch solche als Gefährten bezeichnet, die den Propheten (s.) nur für einige Sekunden sahen und werden als immun gegen Kritik betrachtet. Dieser Gedanke wird weder vom Koran noch von historischen Fakten unterstützt und hat zu vielen der Differenzen zwischen den beiden Schulen der Lehren geführt.


Definition eines Gefährten

Ibn Hajar al-'Asqalani, der berühmte Sunnigelehrte, definiert einen Gefährten des Propheten (s.) als eine Person, die den Propheten Mohammed (s.) nach Annahme des Islam getroffen hat und auch als Muslim gestorben ist. In dieser Definition nimmt er auf:

  • all diese Personen, die den Propheten (s.) getroffen haben, unabhängig von der Tatsache, ob es über einen langen oder kurzen Zeitraum war,

  • jene, die Traditionen des Propheten (s.) übermittelten und solche, die dies nicht taten,

  • solche, die an der Seite dese Propheten (s.) kämpften und solche, die dies nicht taten, und solche, die den Propheten (s.) kurz sahen, aber nicht mit ihm zusammen saßen,

  • wie auch jene, die ihn nicht sahen, aus irgendeinem anderen Grund, wie Blindheit.
[Ibn Hajar al-'Asqalani, al-Isabah fi Tamyiz al-Sahaba, (Beirut), Band 1, Seite 10]

Waren alle Gefährten gerecht und wahrhaftig?

Die Ahl al-Sunnah sind einig in dem Punkt, dass alle Gefährten gerecht und wahrhaftig waren und dass sie die besten der Ummah waren. Viele Sunnigelehrten haben diesen Glauben dargelegt, einschließlich:

  • Ibn Hajar al-'Asqalani, al- 'Isabah fi Tamyiz al-Sahaba, (Cairo), Band 1, Seiten. 17-22 D Ibn Abi Hatim al-Razi, al-Jarh wa al-Ta'dil, (Hyderabad), Band 1, Seiten 7-9

  • Ibn al-'Athir, Usd al-Ghaba fi Marifat Al Sahaba Band 1, Seiten 2-3

Dieses Konzept ist schwer zu akzeptieren unter dem Gesichtspunkt unstreitigen Beweises des Gegenteils.

Ziehe das folgende Beispiel in Betracht:

"Az-Zubair sagte mir, dass er mit einem Ansari,  der in (der Schlacht von) Badr teilgenommen hat, im Beisein des Gesandten Gottes wegen eines Wasserstroms stritt, den sie beide zur Bewässerung nutzten.
Gottes Gesandter sagte zu Az-Zubair: "Oh Zubair! Bewässere (deinen Garten) zuerst, und dann lass das Wasser zu deinem Nachbarn fließen."
Der Ansari wurde böse und sagte: "Oh Gottes Gesandter! Ist es, weil er dein Cousin ist?"
Daraufhin wechselte die Gesichtsfarbe von Gottes Gesandtem (aus Ärger) und er sagte (zu Az-Zubair): "Bewässere deinen Garten und dann halte das Wasser zurück, bis es die Mauern erreicht (die den Garten umschließen)."

So gab Gottes Gesandter Az-Zubair sein ganzes Recht. Vorher hatte Gottes Gesandter ein großzügiges Urteil abgegeben zum Nutzen von Az-Zubair und dem Ansari, aber als der Ansari Gottes Gesandten reizte, gab er Az-Zubair sein ganzes Recht, übereinstimmend mit dem gültigen Recht. Az-Zubair sagte: "Bei Gott! Ich denke, dass der folgende Vers offenbart wurde, diesen Fall betreffend:

"Aber nein, bei Gott, sie können keinen Glauben haben, bis sie dich in jedem ihrer Streits richten lassen."" [Sure 4 : Vers 65)

[Saad ai-'SiMau. (englische Übersetzung), Band 3, Buch 49, Nummer 871]

Nach der Sunnilehre würde dieser Gefährte des Propheten (s.) über jeden Vorwurf erhaben sein als Autorität der Sunnah und seine Taten würden ein Beispiel zum Nachfolgen sein. Dies trotz der Tatsache, dass dieser Gefährte sich nicht nur weigerte, das Urteil des Propheten (s.) zu akzeptieren, sondern ihm gemäß der Offenbarung im Koran auch noch Kummer bereitete.

Unglücklicherweise ist die islamische Geschichte voll vieler Beispiele solcher Leute, die, obwohl sie die Sunni-Kriterien ein Gefährte zu sein, erfüllten, unislamisch handelten. Dieses Verhalten wurde gezeigt während des Lebens des Propheten (s.), oder danach, oder beides!


Al-Walid bin Uqbah

"Ist er, der ein Gläubiger ist, gleich einem Rechtsbrecher, (fasiq/Frevler)? Sie sind nicht gleich.." [Sure 32 : Vers 18]

Führende Sunni-Kommentatoren sagen uns, dass der Zusammenhang der Offenbarung dieses Verses ein Vorfall war, wo sich das Wort "Gläubiger" auf Imam Ali ibn Abi Talib bezog und das Wort "Rechtsbrecher" (fasiq/Frevler) auf einen Gefährten des Propheten (s.)genannt al-Walid bin 'Uqba bin Abi Mu'ayt.

  • al-Qurtubi, Tafsir, (Cairo, 1947), Band 14, Seite 105
  • al-Tabari, Tafsir Jami' al-Bayan, unter dem Kommentar dieses Verses
  • Al-Wahidi, Asbab al-Nuzul, (Ausgabe: Dar al-Diyan li-Turath ), Seite 291

Wir haben schon den Koranvers gesehen, der den Gläubigen verbietet, Neuigkeiten blind zu glauben, die von einem fasiq/Frevler übermittelt werden.

"Oh, die ihr glaubt! Wenn einer, der nicht vertrauenswürdig ist (fasiq/Frevler)euch eine Nachricht bringt, so vergewissert euch dessen, damit ihr nicht einem Volk unwissentlich Unrecht zufügt und danach bereut, was ihr getan habt." [Sure 49 : Vers 6]

Es ist interessant festzustellen, dass die Auslegung des Verses einen anderen Vorfall beinhaltet, wo derselbe al-Walid bezüglich einer Sache log, die zur Offenbarung dieses Verses führte, die ihn zum Rechtsbrecher (fasiq/Frevler) erklärte.

  • Ibn Kathir, Tafsir Qur'an al-'Azim,(Beirut, 1987), Band 4, Seite 224
    -al-Qurtubi, Tafsir, (Cairo, 1947), Band 16, Seite 311
  • al-Suyuti and al-Mahalli, Tafsir al-Jalalayn,(Cairo, 1924), Band 1, Seite 185
    - Abu Ameenah Bilal Philips, Tafseer Soorah al-Hujuraat, Seiten 62-63

Als Abu Ameenah Bilal Philips sagte,"große Vorsicht muß immer geübt werden, mit Informa­tionen, überliefert von Personen mit zweifelhaftem Charakter, solchen, deren Ehrenhaftigkeit noch nicht geprüft wurde oder von bekannten Sündern".

Trotzdem finden wir in den Sunni hadith Sammlungen(Überlieferungen) Traditionen des Propheten(s.a.a.s.)autorisiert von al-Walid!

Siehe, zum Beispiel:

  • Abu Dawud, Sunan, (1973), Kitab al-Tarajjul, bab fi'l-khuluq li'r-rijal, Band 4, Seite 404, Hadith/Überlieferungs- Nummer 4181
  • Ahmad bin Hanbal, al-Musnad, awwal musnad al-madaniyyin ajma'in, Hadith/Überlieferung 15784

Al-Walids Torheit endete nicht während der Zeit des Propheten (s.). Er wurde durch Uthmann, den dritten Kalifen, zum Gouverneur von Al-Kufah bestimmt, wo seine Torheit weiterging. Einmal leitete er das Morgengebet unter Drogeneinfluss und betete vier statt 2 Einheiten.

Er wurde später auf Befehl Uthmanns bestraft. Dieser Vorfall wird erwähnt in unzähligen Quellen, einschließlich oben erwähnter, wie auch in:

  • Sahih al-Bukhari, (englische Übersetzung), Volume 5, Buch 57, Nummer 45; volume 5, Buch 58, Nummer 212
  • Al-Tabari, Ta'rikh, (englische Übersetzung: History of al-Tabari, The Crisis of the Early Caliphate), volume XV, p. 120


Sunni Rechtsexperten benutzen genau dieses Beispiel des Bösen (fasiq/Frevler) Gefährten al-Walid, um das Beten hinter einem offensichtlichen Sünder zu rechtfertigen!!

Ali al-Qari al-Harawi al-Hanafi, Sharh Fiph al-Akbar, im Kapitel, "Es ist erlaubt, hinter einer guten oder bösen Person zu beten-", - Seite 90 - Ibn Taymiyyah, (Riyadh, 1381), Band 3, Seite 281


Aber warum nicht Vergangenheit Vergangenheit sein lassen?

Wenn wir die Fehler von Gefährten wie Al-Walid aufdecken, dann nicht wegen irgendeinem perversen Wunsch zu verleumden. Vielmehr, weil Muslime sehr vorsichtig sein müssen, woher sie ihre Informationen über Islam und die Sunna des Propheten (s.) herleiten. Dies kann nur durch sorgfältige Aufmerksamkeit gegenüber der Lebensführung aller Gefährten des Propheten (s.) bestimmt werden und ihre eigenen Taten für ihren Charakter und Wahrhaftigkeit sprechen zu lassen. Der Prophet(s.) hat uns schon gewarnt:

"Ich werde vor euch an der Quelle sein, und der, der bei mir vorbeikommt, wird trinken und wer immer davon trinkt, wird niemals durstig sein. Es werden zu mir Leute kommen, die ich kenne und sie kennen mich, aber wir werden getrennt sein, dann werde ich sagen 'Meine Gefährten'. Eine Antwort wird kommen. 'Du weißt nicht, was sie nach dir getan haben'. Dann werde ich sagen: 'Weg mit denen, die verändert haben nach mir.''" (Bukhari (nach der engl. Übersetzung), Band 8, Buch 76, Nummer 585)


Die Schia Sicht der Gefährten

Die Schia lieben die ehrlichen Gefährten des Propheten (s.), die im Koran gelobt werden. Dieses Lob zielt nicht auf Individuen wie al-Walid bin'Uqbah, die, obwohl sie die Sunni Kriterien des Gefährten erfüllen, nicht als Beispiele oder zuverlässige Übermittler der Sunna angesehen werden können. Die Schia glauben deshalb nicht an die generelle Integrität aller Gefährten, sondern prüfen die Geschichte jedes Gefährten, um sein oder ihr Festhalten an der prophetischen Botschaft festzustellen. Natürlich gab es viele solcher Gefährten einschließlich, aber nicht nur Ammar, Miqdad, Abu Dharr, Salman, Jabir und Ibn Abbas.

Wir schließen mit einem Auszug eines Gebets des vierten Schia Imam Zayn al Abidin (a.s.) im Preisen dieser edlen Gefährten, möge Gott mit ihnen allen zufrieden sein:

"Oh Gott, und vor allem für Mohammeds' Gefährten, jene die gute Begleiter waren, die, die standhaft waren im guten Test, ihm zu helfen, ihm antwortend, wenn er ihnen seine Botschaft erläuterte, getrennt von Frau und Kindern um sein Wort zu manifestieren kämpften, gegen Väter und Söhne um seine Prophezeiung zu stärken, und durch ihn siegten; jene, die ihn glühend verehrten, hoffend, dass Erfolg nicht ihre Liebe zu ihm schmälert; jene, die von ihren Sippen verlassen wurden, weil sie ihm nachfolgten, und verleugnet von ihrer Verwandtschaft, wenn sie verweilten im Schatten seiner Umgebung. Vergiß nicht, oh Gott, was sie für Dich verlassen haben  und mache sie zufrieden mit Deinen guten Freuden zum Segen jener Kreaturen, die sie zu Dir geführt haben, während sie mit dem Gesandten waren, Aufforderer zu Dir für Dich."

[Imam Zayn al-'Abidin , Sahifa al-Kamilah, (engl.Übersetzung, London, 1988) Seite 27]

Allah (s.w.t.) sagt:

"Oh, die ihr glaubt! Wenn einer, der nicht vertrauenswürdig ist euch eine Nachricht bringt, so vergewissert euch dessen, damit ihr nicht einem Volk unwissentlich Unrecht zufügt und danach bereut, was ihr getan habt. " [Koran Sure 49, Vers 6]
 

Quelle: http://www.al-islam.org

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